#artbooks – Maria Lassnig – Die Biografie von Natalie Lettner

© Brandstätter Verlag

Wenn ich die bisherige Sommerlektüre Revue passieren lasse, dann ist mein Sommerbuch des Jahres 2017, die von Natalie Lettner verfasste Biografie über die großartige, österreichische Künstlerin Maria Lassnig.

Natalie Lettner nimmt die Leser_innen mit auf die Reise durch das atemberaubende, faszinierende Leben von Maria Lassnig. Beginnend mit ihrer Kindheit und Jugend in Kärnten, beginnt man angesichts der geschilderten Ereigenisse und Erlebnisse in ihrem jungen Leben bald zu verstehen, wie sich Maria Lassnig zu jener Frau entwickeln konnte, die sie war und wie dies sie künstlerisch beeinflusste.

Ich war ja eher ein quadratisches Kind, das heißt, ich war gleich breit, wie ich hoch war.

Dieses Gefühl, die Wahrnehmung ihres Körpers bereits in jungen Jahren, setzte sie in Werken um, wie zB im Gemälde „Quadaratisches Körpergefühl“ von 1960.

Nach einer nicht einfachen Kindheit, kam sie als 13 Jahre altes Mädchen in den Zeichenunterricht, in dem sie ua Reproduktionen alter Meister kopierte. Eine Zeichnung von 1932, Lassnig war damals 12 Jahre alt, zeigt ihr künstlerisches Ausnahmetalent (S. 30). Die Wandervogelzeit und ihre Arbeit als Volksschullehrerin sind weitere Stationen auf ihrem Lebensweg.

Ohne Titel (Selbstproträt) von 1932 – S. 31
© Maria Lassnig Stiftung/Brandstätter Verlag

Das zweite Kapitel widmet sich ihrer Studentenzeit im nationalsozialistischen Wien. Lettner bettet Lassnig in die damalige Zeit ein, versucht ihren Umgang zu erarbeiten, wobei die künstlerische Entwicklung nicht zu kurz kommt. Das grüne Selbstporträt von 1944 markiert einen wichtigen künstlerischen Wendepunkt, ein Werk, auf das Lassnig stolz ist, hinweggehend von der naturalistischen Malerei.

Selbstporträt von 1944 – S. 60:
© Maria Lassnig Stiftung/Brandstätter Verlag

Ich war damals ein aufblitzender Stern, jung und alle waren verliebt und sind halt gekommen.

Dieses Zitat von Maria Lassnig leitet das dritte Kapitel ein – Provinzstar in Kärnten – 1945 – 1950. Ihre Liebesgeschichte mit Michael Guttenbrunner, aber auch die Unvereinbarkeit von Kunst und Liebe im Leben von Maria Lassnig werden hier thematisiert. Und dann trifft sie auf Arnulf Rainer. Paris, die zeitgenössische Kunst und Arnulf Rainer bilden das vierte Kapitel. Besonders spannend ist hier der Aufbruch, die Entwicklung der Kunstszene in Österreich. Die Hundsgruppe, Maria Lassnigs konkurrierendes Verhältnis zu Arnulf Rainer und die 50er Jahre der Österreichischen Kunst, die Schwierigkeiten sich als Künstlerin in einer Männer(Kunst-)welt durchzusetzen, ihre Liebe werden von Lettner gekonnt dargestellt und liest sich spannender als so mancher Krimi.

Damals wusste ich nur eins: Meine Situation konnte sich nur verbessern, wenn ich aufbreche, egal wohin.

Maria Lassnig verlässt 1960 Österreich um nach Paris zu gehen, das sechste Kapitel beschäftigt sich mit ihrem Paris-Aufenthalt von 1960 bis 1968. 1964 stirbt ihre Mutter, „ihre einzige Bezugsperson auf der Welt“, eine ambivalente Beziehung. Typisch ist für Lassnig, dass sie, kaum wäre sie an einem Ort oder in einer Welt (egal worin diese nun besteht) angekommen, aufbricht um an einem anderen Ort von vorne anzufangen. So zieht sie es nach New York. Das siebente Kapitel der Biografie behandelt diese Zeit und ihre Auseinandersetzung mit Animation und Film.

1978 erhält Lassnig ein DAAD-Stipendium und geht für fast ein Jahr nach Berlin (Achtes Kapitel: Berlin: Oswald Wiener, Bäume und Theorie) um 1980 nach Österreich zurück zu kehren: Im Herbst 1980 tritt sie ihre Professur an.

Maria Lassnig ist die Entdeckung des Jahres, des Jahrhunderts. (S.305)

Das zehnte und letzte Kapitel des Buches lautet „Ich bin die Frau Picasso“ – Lassnig als Jahrhundertkünstlerin. In diesem Kapitel geht Lettner auf die verspätete internationale Anerkennung, auf ihr Verhältnis zu Kunsthändler_innen und Sammler_innen sowie Schwierigkeiten rund um diverse Ausstellungen in österreichischen Museen, ebenso behutsam auf den letzten Tango Maria Lassnigs mit der Kunst, ein. Maria Lassnig stirbt am 6. Mai 2014.

Der Tod und das Mädchen / Der letzte Tango, 1999 – S. 353:
© Maria Lassnig Stiftung/Brandstätter Verlag

Fazit

Natalie Lettner ist mit ihrer Biografie Maria Lassnig eine hervorragende Biografie gelungen. Spannend, nie langweilig, informativ, anregend. Eine absolute Lese- und Kaufempfehlung für dieses Werk. Besonders gut gefiel mir auch die Einbettung und Verortung Lassnigs in die österreichische Kunstszene, das Aufzeigen ihrer Kämpfe mit ihren eigenen Dämonen, ihre Schwierigkeiten bei Interaktionen mit anderen Personen, ihren Umgang mit der unerfüllten Mutterschaft, uvm. Eine Reihe an Fotografien und Bildern runden das Buch ab. In dieser Rezension konnte ich nur einen Bruchteil der Biografie widergeben, mit voller Absicht, ich möchte, dass man sich auf einen Tanz mit Maria Lassnig einlassen muss, der einen durch die österreichische Kunst wirbelt.

Facts

Titel: Maria Lassnig. Die Biografie.
Autorin: Natalie Lettner
400 Seiten
Brandstätter Verlag
Preis: € 29,90

Wir danken dem Brandstätter Verlag für die Übersendung eines Rezen­sion­sex­em­plares !

Kantate – Maria Lassnig:

 

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