Das SOHO – einen Ausflug wert!

© SOHO in Ottakring

Am Samstag, den 18. Juni 2016, geht ein wunderbares Festival zu Ende – das SOHO in Ottakring. Auf dem Gebiet von Sandleiten wird zum Sujet „In aller Munde. Schmackhafte und weniger schmackhafte Details zum Netzwerk Ernährung“ ausgestellt, diskutiert und beim Statdtmöbel Küchenskulptur zum gemeinsamen picknicken/chillen/verbleiben eingeladen. Gemeinschaftlich aufgebaut, wird es nun auch gemeinschaftlich abgebaut. Einzelteile davon können erworben und zu beispielsweise Hockern zusammengebaut werden – Kunst zum Mitnehmen.

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Ich traf die Initiatorin und künstlerische Leiterin des SOHO Festivals – Ula Schneider. Mit einem schüchternen Lächeln gab sie ein kurzes, aber ausdrucksstarkes Statement, indem sie sagte, dass das Festival versucht: „die Kunst auf die Straße (zu) bringen“.

Heuer dreht sich alles ums Essen, aber was ist bewusstes Essen? Wo kommt unsere Nahrung her? Produktion, Genmanipulation, Nahrungsmittelkrisen durch Börsenspekulationen oder das Freihandelsabkommen TTIP sind Bestandteil der künstlerischen Auseinandersetzung der gezeigten Werke.

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Gerhard Leitgeb, Zeitgeschehen, auf Grundsätzliches reduziert,
Installation aus Stahl, Draht und Backwaren, 400 x 81,5 cm, 2016

Im „Alten Museum“, Gomperzgasse 1 – 3, wird die Ausstellung „Wo Milch und Honig fließen. Konsumethik und Selbstermächtigung“, kuratiert von Hansel Sato, von Studierenden des Lehramts an der Akademie der bildenden Künste gezeigt. Es folgt im weiteren Raum die interaktive Lichtinstallation „Tischlein deck dich!“ Helmut Drucker alias kabelmann. Die Partizipation des Betrachters als aktives Gesellschaftsmitglied ist Voraussetzung für diese Installation. Wenn man auf die am Boden befindlichen Sensoren steigt, erleuchtet man das jeweilige Nahrungsprodukt auf dem Tisch. Die Entscheidung, was man kauft/isst/sät wird dem Betrachter spielerisch vor Augen geführt.

Die Installation Zeitgeschehen, auf Grundsätzliches reduziert von Gerhard Leitgeb thematisiert die Kluft zwischen Arm (links: Säule umhüllt mit Maschendraht) und Reich (rechts: Überproduktion am Beispiel von Brot). Die Säule in der Mitte, bestehend aus einem einfachen Holzgestell, kann als Bindeglied verstanden werden. Wird es die kommende Generation schaffen eine Brücke zu bauen, die Erde und Entwicklungsländer nicht mehr auszubeuten, sondern im humanistischen Sinne global zu Teilen?

EL SEROUI, IN MEMORIAM, Installation, Grabstein auf Wiese, 2016
EL SEROUI, IN MEMORIAM,
Installation, Grabstein auf Wiese, 2016
© EL SEROUI

IN MEMORIAM ist eine Kritik des Künstlers EL SEROUI an genmanipulierten Produkten im Namen der Massenproduktion der Lebensmittelindustrie. Er konfrontiert den Betrachter mit der Vorstellung die „letzte naturbelassene Erdbeere“, namens Luise, ausgerottet zu haben. Indem er ihr einen Namen gibt, schenkt er der Erdbeere eine Identität. Sie wird von einer Variabel, im Sinne von irgendeiner der vielen Erdbeeren, zum Subjekt, das in Gedenken „von Mensch und Tier geliebt und verehrt“ wurde, avanciert/erhöht. Der Mensch hat bereits zahlreiche Tiere und Pflanzen ausgerottet, doch eine Erdbeere? Möchte man darauf wirklich verzichten?

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EL SEROUI, Annabelle, Installation,
Tomate, Spritze, Text, 2016

Der Mensch spielt Gott: die Folgen der Genmanipulation sind noch nicht ersichtlich. Die „letzte lebende nicht gentechnisch veränderte Tomate“ Annabelle kämpft noch um ihr Leben.

Gerlinde, eine weitere Patientin (Paprika) erhält soeben eine Infusion.Die Vermenschlichung des Gemüses führt zur bewussten Auseinandersetzung einerseits mit dem Nahrungsprodukt per se, andererseits mit der Essware als Lebewesen.

Bewusst über das Essen nachzudenken, fordert auch die folgende interaktive Ausstellung „Taste of Home ―wie schmeckt dein zuhause?“ von Anna Ilona Misovicz, Angéla Góg und Ferenc Forrai. Die jungen Damen fragen nach der persönlichen Erinnerung, nach dem Geschmack der Heimat, des Zuhauses. Man wird auf die Suche in die eigene Erinnerungswelt geschickt, um dort über das Medium des Geschmackes eine intime, kleine Geschichte zu offenbaren.

Anna Ilona Misovicz, Angéla Góg und Ferenc Forrai, Taste of Home ―wie schmeckt dein zuhause?, interaktive Ausstellung, 2016
Anna Ilona Misovicz, Angéla Góg und Ferenc Forrai,
Taste of Home ―wie schmeckt dein zuhause?, interaktive Ausstellung, 2016, © Anna Ilona Misovicz

Auf der Projektbeschreibung ist folgendes zu lesen:
„Ziel ist, die Sammlung an Geschichten und Geschmäckern des Zuhauses stets zu erweitern, denn sie wird nie beendet sein: je größer sie ist, desto eher zeigt sie die Diversität an persönlichen Geschichten, aber ebenso Verknüpfungspunkte und verbindende Ähnlichkeiten.“

Das Festival SOHO in Ottakring regt zum Nachdenken an! Gleichzeitig erinnert es daran, dass man nur gemeinsam als homo politicus die Zukunft kreieren/prägen/entscheiden kann. Kommenden Samstag, den 18. Juni, findet die Closing Party um 19h statt. Wer noch nicht vor Ort war, sollte spätestens dann noch schnell hin!

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