Die bessere Hälfte – Jüdische Künstlerinnen bis 1938

Edith Kramer, The Black Eye, 1943 Öl auf Leinwand 30,5 x 30,5 cm JMW Inv. Nr. 14353 Foto: Sebastian Gansrigler

Die bis zum 1. Mai 2017 im Jüdischen Museum im Palais Eskeles in der Dorotheergasse 11, im ersten Wiener Gemeindebezirk, gezeigte Ausstellung, „Die bessere Hälfte“, war für uns das Ausstellungshighlight des Jahres 2016.

Mit grenzenloser Begeisterung lauschten wir der Führung von Petra Fuchs vom Jüdischen Museum Wien, die uns in eine Welt der Künstlerinnen der Moderne entführte.

Ausstellungsdokumentation – „Die bessere Hälfte. Jüdische Künstlerinnen bis 1938“
@ Jüdisches Museum Wien

Den Aufbruch in die Moderne gestalteten nicht nur Künstler, auch eine Vielzahl an herausragenden, begabten Künstlerinnen waren daran beteiligt. Ihnen ist diese Ausstellung gewidmet – jenen Frauen, die widrigen Rahmenbedingungen zum Trotz, ihren eigenen Weg ging, sich nicht beirren und vom Pfad abbringen ließen. Malerinnen wie Tina Blau, Broncia Koller-Pinell, Marie-Louise von Moesiczky, Keramikerinnen wie Susi Singer oder Vally Wieselthier, Bildhauerinnen wie Teresa Feodorowna Ries oder Ilse Twardowski-Conrat, Grafikerinnen wie Ilse Bernheimer, Marianne Saxl-Deutsch oder  Margarete Hamerschlag.

Margarete Hamerschlag
Illustration zu Die Maske des Roten Todes, 1924
Holzschnitt auf Papier, gebunden
29 x 25 cm
Jüdisches Museum Wien, Inv.-Nr. 24373/1-5

Bekannte österreichische Malerinnen, aber auch in Vergessenheit geratene Künstlerinnen, deren Werk es zu wiederentdecken gilt (und lohnt !).

Helene Taussig
Tänzerin, 1930/40
Öl auf Leinwand
63 x 41 cm
Privatbesitz

Eine umfassende Publikation oder Ausstellung zu österreichisch-jüdischen Künstlerinnen gab es bis dato nicht, dem hat sich das Jüdische Museum Wien bzw. seine Kuratorinnen – Andrea Winklbauer und Sabine Fellner, in gelungener Weise angenommen. Insgesamt werden Werke von 44 Künstlerinnen gezeigt.

Betritt man die Ausstellung fällt schnell der Blick auf die Skulptur „Hexe bei der Toilette für die Walpurgisnacht“ von 1895 der Bildhauerin Teresa Feodorowna Ries. Eine Fotografie zeigt Tina Blau, die auf einem Kinderwagen eine Staffelei transportiert.

Teresa Feodorowna Ries
Hexe bei der Toilette für die Walpurgisnacht, 1895
Marmor
130 x 60 x 110 cm
Wien Museum, Inv.-Nr. HMW 139714
© Wien Museum

Der Weg einer Künstlerin um die Jahrhundertwende war ein beschwerlicher, Frauen war der Besuch einer Kunstakademie erst ab 1920 erlaubt,1)   Katalog, S. 7. möglich war der Besuch einer sogenannten Kunstschule oder der Privatunterricht bei einem Künstler.Die 1876 gegründete Kunstgewerbeschule in Wien gewährte, wenn auch eingeschränkt, von Beginn an, Frauen einen Zugang. Die Hürde der Ausbildung war ein Aspekt – ein weiteres Problem war, dass Frauen die Mitgliedschaft in Künstlervereinigungen verwehrt war und somit diese auch kein Recht auf eine regelmäßige Ausstellungstätigkeit hatten.2)   Katalog, S. 18 Somit wurde zB 1885 der Verein der Schriftstellerinnen und Künstlerinnen, 1901 Acht Künstlerinnen und ihre Gäste bzw. 1910 die Vereinigung bildender Künstlerinnen Österreichs (VBKÖ) gegründet.

Bettina Ehrlich-Bauer
Selbstporträt, 1928, zeitgenössische Fotografie nach dem verschollenen Gemälde (nachkoloriert)
© Archiv des Belvedere, Wien,
Foto: Bruno Reiffenstein

Die Schoa, Flucht und Vertreibung beendete die Karrieren der Künstlerinnen, einigen gelang die Flucht, andere wurden ermordet. Besonders berührte uns das Schicksal der Malerin Bettina Ehrlich-Bauer, deren eindruckvolles Selbstportrait von 1928, das Cover des Katalogs ziert. 1938 rettete Bettina Ehrlich-Bauer das Werk ihres Ehemannes, Georg Ehrlich, das mit ins Exil nach London kam, ihr eigenes malerisches Werk musste in Wien zurück bleiben, es gilt als verschollen. Lediglich Fotografien erinnern und zeigen ihr großartiges Können.

Die absolut gelungene Ausstellung fand ihren Ausklang im Cafe Eskeles bei Matcha Latte, Kaffee und Flódni Kuchen.

Im Rahmen der Ausstellung ist auch ein 240 Seiten starker, reich bebildeter Katalog erschienen, der sehr umfassend Einblicke in das Leben der Künstlerinnen und ihre damalige Situationen gibt.

Facts

  • Titel: Die bessere Hälfte. Jüdische Künstlerinnen bis 1938.
  • Herausgeberinnen: Andrea Winklbauer & Sabine Fellner
  • 240 Seiten
  • Metro Verlag
  • Preis: € 29,90

Wir danken dem Jüdischen Museum Wien für den herzlichen Empfang, den Katalog sowie für die Möglichkeit in der Ausstellung großartige Fotos anfertigen zu können, die wir euch nicht vorenthalten möchten. Allerdings können die Bilder keinen Besuch ersetzen, somit – schaut euch die Ausstellung an – sie lohnt sich wirklich !

 

 

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Fußnoten   [ + ]

1.   Katalog, S. 7.
2.   Katalog, S. 18