Interview mit Matti Bunzl zu Crowdfunding

Matti Bunzl, Foto: Sabine Hauswirth, © Wien Museum

Matti Bunzl, der Leiter des Wien Museums, stand uns Rede und Antwort zur Crowdfunding-Aktion „Das Buch zur Virgilkapelle“. Unser Beitrag „We made it – Crowdfunding im Kunst- und Kulturbereich“ kann hier nachgelesen werden.

Was war der ausschlaggebende Moment, wo Sie sich als Team entschlossen haben, gerade diese Publikation ins Leben zu rufen ?

Matti Bunzl: Im Zuge des Projekts ‚Wiedereröffnung der Virgilkapelle’ war es uns möglich, ein Team von BauforscherInnen zu beauftragen, die mysteriöse Baugeschichte des Raumes zu erforschen. Die Forschung hat sehr spannende Resultate zu Tage gefördert, die wir als wissenschaftliche Publikation herausgeben wollten. Da wir dafür keine finanziellen Mittel zur Verfügung hatten, haben wir uns zur Crowdfunding-Aktion entschlossen.

Sieht man sich die Ergebnisse der Crowdfunding Aktion an, freut es einen sehr, dass es gerade für eine so tolle Idee eine so hohe Teilnahme gab. Wie sind Sie auf die Idee gekommen die Publikation via Crowdfunding zu finanzieren?

Matti Bunzl: Wir haben schon seit geraumer Zeit überlegt, Crowdfunding als Tool einzusetzen. An österreichischen Museen ist das noch nicht wirklich üblich. Aber wir kannten internationale, besonders amerikanische, Modelle – und da hatten wir doch sehr konkrete Konzepte mit den wir arbeiten könnten. Auch war uns bewusst, dass eine Crowdfunding-Aktion sowohl dem Fundraising als auch der Kommunikation mit unserem Publikum dienlich sein kann. Und genau das ist eingetreten.

War es Ihre erste Auseinandersetzung mit Crowdfunding oder haben Sie schon mehr Projekte auf diese Art finanzieren können?

Matti Bunzl: Es war das erste Projekt dieser Art am Wien Museum.

Stephansplatz mit Virgilkapelle (Ausschnitt); Illustration: Stefanie Hilgarth
Stephansplatz mit Virgilkapelle (Ausschnitt); Illustration: Stefanie Hilgarth

Mit welchen Tücken bzw. Problemen mussten Sie sich durch eine solche Finanzierung auseinandersetzen?

Matti Bunzl: Tücken gab es eigentlich keine. Aber wie bei allen neuartigen Projekten gab es natürlich viele Diskussionen, sowohl über Crowdfunding-Aktion generell als auch über unser Projekt und seine Form im speziellen.

Würden Sie auch anderen Kulturinstitutionen/Kulturschaffenden ans Herz legen Ihre bis dato unerfüllten Projekte auf diese Art zu finanzieren?

Matti Bunzl: Wir würden Crowdfunding-Aktion absolut empfehlen, würden aber darauf hinweisen, dass es nie eine „g’mahte Wiesn“ ist. Um Erfolg zu haben muss alles zusammenpassen: die Institution, das spezifische Projekt und der Crowdfunding-Pitch selber.

Nach einem Forschungsprojekt ist vor einem Forschungsprojekt, was kommt nach der Virgilkapelle?

Matti Bunzl: Wir haben im Wien Museum viele Projekte vor uns. Das größte und wichtigste ist aber der Um- und Neubau. Der Architekturwettbewerb ist im Laufen und wird Ende November abgeschlossen. Nach dem darauf folgenden Planungsprozess erwarten wir den Baubeginn für 2017. Gut möglich, dass wir dann wieder Crowdfunding versuchen – aber in einer ganz anderen Dimension!

Vielen Dank für das Interview !

Crowdfunding Aktion des Wien-Museums:

Abb. Beitragsbild: Matti Bunzl – (c) Wien Museum

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