#Kunstmarkt – Kaffee mit … Udo Langauer – Austria Auction Company

„Darf ich Ihnen einen Kaffee anbieten ?“ Leider trinken wir beide keinen Kaffee (eine lange Geschichte) – daher nehmen Eva und ich an einem großen, schönen Holztisch Platz, nippen an unserem Mineralwasser und beschließen dennoch den ersten #Kaffeemit … Beitrag mit einem Nicht-Künstler, sondern mit einem Akteur des Kunstmarktes, zu verfassen.

Wir befinden uns heute im Palais Breuner in der Singerstraße um mit Udo Langauer, dem Geschäftsführer der Austria Auction Company, ein Gespräch über Kunst, Teppiche, sein Auktionshaus und den Kunstmarkt in Österreich zu führen.

Was unterscheidet Sie von den anderen Auktionshäusern?

„Wir unterscheiden uns indem, dass wir den Einbringern/Verkäufern eigentlich einen risikolosen Verkauf anbieten. Das heißt, der Einbringer braucht keine Fotokosten zu zahlen, keine Versicherung, keine versteckten Gebühren. Wird sein Objekt verkauft, bekommt er den Hammerpreis abzüglich der ausgemachten Kommission, wird es nicht verkauft, bekommt er sein Stück zurück ohne einen Euro Spesen zu haben. Das ist schon unterschiedlich, weil viele Auktionshäuser auch bei unverkauften Gegenständen Gebühren verrechnen.

Noch etwas unterscheidet uns von anderen Auktionshäusern und zwar das Online-Bieten. Es funktioniert super, auch von der Verbreitung der Auktion überhaupt, wir haben sogar einen Live Stream, wenn sie wollen können die Leute auch live mitschauen. Wir sind auf Live Auctioneers, lot-tissimo und Invaluable vertreten.“

In Zukunft werden wir auch Auktionen machen, wo es keinen gedruckten Katalog sondern nur einen Online-Katalog geben wird.

#AAC (10)

Udo Langauer betreibt sein Auktionshaus seit 2013, er ist Sachverständiger für Orientteppiche, handgeknüpfte Teppiche und Tapisserien und erweitert nun sein Auktionshaus um die Sparte „Zeitgenössische Kunst“. Auktionen sind etwas faszinierendes – die Atmosphäre, die Anspannung bei den Verkäufern, Käufern, beim Publikum, die Bietergefechte – dies alles muss man einmal erlebt haben und wird fortan wohl nicht mehr so schnell davon los kommen.

Wieso Auktionen ?

„Schlussendlich ist das Geschäftsmodell Auktion für beide Seiten, Verkäufer und Käufer, das Vernünftigste. Es gibt kein Feilschen, es gibt kein Handeln. Bei einer Auktion gibt es einen Hammerpreis, jeder zahlt seine Provision. Die Preise sind greifbar. In Wirklichkeit werden die maßgebenden Werte von Kunstwerken kreiert, werden geschaffen und der Handel hängt sich dann dran.

Das war einer der Gründe warum ich gesagt habe, ich mache jetzt Auktionen, es war ganz sicher der richtige Schritt und ich sehe auch darin die Zukunft des Kunstmarktes, die geht in Richtung Auktion. In Frankreich gibt es 2000 Auktionshäuser, in England gibt’s 2000, in Deutschland gibt’s 300+ und in Österreich gibt es 4-5, somit ist also das Angebot hier relativ gering.“

 


 

Beim Rundgang konnten wir das hektische Treiben der Einrichtung beobachten, es befinden sich mittlerweile alle Exponate an ihren Plätzen. Die Räumlichkeiten im Palais sind sehr großzügig – ein Parkettboden, hohe Räume, weiße Wände, überall Kunstwerke – die Büros sind eingerichtet – im größten Raum werden die Auktionen durchgeführt werden – fast greifbar ist die Spannung der Auktion.

LOT 11 Gunter Damisch * (1958 Steyr) o. T., 1998

Hier befinden sich auch zwei Kunstwerke, die mir sofort ins Auge gefallen sind – ein Gemälde von Gunter Damisch in einem wunderbaren Lila hängt neben einem Gemälde von Martha Jungwirth – farblich eine großartige Kombination. Wo könnte ich die wohl aufhängen …

Warum boomt die zeitgenössische Kunst? Sehen sie viele nur als Anlage oder steht das Interesse im Vordergrund?

„Beides. Das Kunstverständnis muss man irgendwie mitbekommen, wenn man sich nicht dafür interessiert nützt es nichts. Ich merke schon, dass das Publikum eher ein jüngeres ist und das ist die Zukunft.“

Ich blicke vom Tisch auf und auf ein im Nebenzimmer befindliches Bild – eine Farblithografie von Adolf Frohner – eine gefesselte Frau – das mich, wohl aufgrund der Distanz dazu irgendwie an Fotografie denken lässt …

Gibt es in der Auktion auch Fotografie?

„Minimal, wir haben zum Beispiel Rudolf Schwarzkogler und Hermann Nitsch. Es wird immer ein kleiner Teil bleiben, es passt aber dazu und ergänzt das Angebot.“

Wir sprechen über Fotografien und ihren Kontext zu Werken und über weitere Sparten.

Möchten Sie in Zukunft noch andere Sparten anbieten ?

„Ich bin vielfältig, mir gefällt auch klassische Kunst, moderne, in jeder Sparte gibt es tolle Sachen. Sie werden sehen, eingeplant haben wir Stammeskunst aus Afrika und Indonesien, da gibt es so tolle, wunderbare Sachen. Es wird sich dieses Jahr nicht mehr ausgehen, aber höchstwahrscheinlich nächstes Jahr, da bin ich mir ziemlich sicher.“

Wieviele Auktionen möchten Sie und Ihr Auktionshaus anbieten ?

Sechs bis sieben Auktionen sollen jährlich durchgeführt werden. Wir planen bereits die nächste.

Wer führt die Auktion durch?

„Ich mache es selbst, ich habe auch schon 7-8 Auktionen durchgeführt, ich muss es selber machen. Wissen Sie, die Auktion findet innerhalb zwei Stunden statt, man arbeitet monatelang auf diesen einen Moment zu, dann ist es in zwei Stunden vorbei und diese Verantwortung dann aus der Hand zu geben …“

 

 

 

… ich weiß gar nicht, ob ich es anders machen würde, denke ich mir. Ein Blick auf die Uhr zeigt, dass wir lange über Kunst, Auktionen, den Kunstmarkt in Österreich gesprochen haben. Vielen Dank für das Gespräch und Eva und ich verlassen das Palais – zunächst jede noch in Gedanken, das Gespräch und vor allem die Kunst Revue passieren lassen.

 

 

 

Facts

Versteigerungsort – Palais Breuner, Singerstraße 16, 1010 Wien

Gebote: vor Ort im Saal, telefonisch, schriftlich oder live im Internet (Links siehe weiter unten).

Der Katalog kann unter diesem Link bestellt werden oder hier online angesehen werden.

Links zur Auktion:

Invaluable.com

Liveauctioneers.com

Lot-tissimo.com

Wir danken der Austria Auction Company für die Einladung und die Führung durch die Räumlichkeiten !

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