#Kunstputz – Staubflankerl der österreichischen Kunst

Die Herbergsmütter rufen zum #Kunstputz auf. In ihrem Beitrag – Der Putzeimer in der Kunst – beschreibt Anke von Heyl einige Werke, die einen Putzeimer im Sujet haben. Grund genug selbst über Putz und Staub (vor allem) in der österreichischen Kunst nachzudenken und ein paar „Staubflankerl“ der Kunst aufzuwirbeln …

Hausfrauen-Zeichnungen von Birgit Jürgenssen

… sofort fielen mir eigentlich die Hausfrauen-Zeichnungen von Birgit Jürgenssen (1949-2003) ein. Aus urheberrechtlichen Gründen kann ich in diesem Beitrag zwar keine Bilder zeigen, verweise aber gerne auf die Webseite Birgit Jürgenssen. Die erste Abbildung des Beitrages, Estate z402, zeigt drei Damen, die mit Kopftuch und Schürze bekleidet sind und in doch recht lasziver Pose den Boden schrubben. Doch womit wird der Boden so emsig gereinigt ? Nicht etwa mit einem Putztuch, nein, mit einem Mischwesen, halb Mann, halb Phallus.1)Christiane Fricke, Birgit Jürgenssen, Handelsblatt 14.1.2011 – Link Birgit Jürgensse arbeitet gekonnt in detailreichen, liebevollen Zeichnungen mit Klischees und zeigt diese sehr treffend auf.

Dust

Im Jahr 2012 fand in Moskau die österreichisch-russische Ausstellung „Dust“ statt.2)Siehe auch die Homepage von NewLaboratoria – Dust Gezeigt wurden Werke, die sich mit elektronischem Staub, Pollenstaub, Staub als Schmutz, als Kunstwerk und auch kosmischem Staub auseinandersetzten.3)Näheres zu dieser Ausstellung kann auf der Homepage des ORFs sowie auf der Homepage des Standards nachgelesen werden Die Gruppe Upward! Community zeigte, dass es auch im digitalen Zeitalter Staub gibt, Rauch (als Symbol für Staub) kam aus Telefonhörern, Ausstellungsbesucher wurden aufgefordert den Boden aufzuwischen. Erwin Wurm zeigte einen Sockel, auf dem sich Staub befand, womit der „Augenblick danach“4)Simon Hadler, ORF. Dazu unten noch ein Staubflankerl. eingefangen werden soll. Die Kuratoren Simon Mraz und Darja Parchomenko schrieben in ihrem Text zur Ausstellung anschaulich, dass „der Staub ihnen janusköpfig entgegen trat„:5)Simon Hadler, ORF

 „Zum einen konstruktiv als grundlegender Rohstoff, aus dem das Universum entstand: Staub verdichtet sich zu Sternen und Planeten, Pollenstaub befruchtet Blüten und schafft neue Pflanzen. Die zweite Bedeutung wiederum erscheint als Metapher für Zerstörung, als Symbol für das Vergangene, als Fluchtpunkt jeden Verfalls.“6)Simon Hadler, ORF 

Zum Katalog auf Google-Books geht es hier entlang -> Link

Staub

Staub, so heißt ein Gemälde des österreichischen Künstlers Martin Schnur, aus dem Jahr 2007, dessen Werke sich ua in der Sammlung Essl befinden.

Museum der Träume

Das großartige Buch „Museum der Träume„, dessen Rezension demnächst auf unserem Blog erscheinen wird, beinhaltet in dem Text des Schriftstellers Karl-Markus Gauß, Ein alter Mann beschwert sich, den er über das Tintoretto-Gemälde „Susanne im Bade“ verfasst folgendes:

„Wenn Sie mich fragen, den blödesten Job auf diesem Bild habe eindeutig ich. Fast 500 Jahre lang im Staub kriechen und den roten Mantel hinter sich herschleifen – was für eine unwürdige Aufgabe !“7)Karl-Markus Gauß, Ein alter Mann beschwert sich, in: Kornmüller/Wolf, Museum der Träume, Brandstätter Verlag Wien 2014, S. 198.

Jakob Gasteiger

Der österreichische Künstler verwendet für seine Werke neben Acrylfarben auch Glas-, Eisen- und Alu-Staub.8)Peter Funken, Jakob Gasteiger, Eine Kunst aus der Konzentration und Ruhe, in: ART FORUM, BAND 224, 2013, MONOGRAFIE, S. 207f Die ersten Versuche Gasteigers begannen auf einem staubigen Dachboden, er arbeitete schlichtweg mit jenem Material, das er dort fand – Staub, Asche und Sand, die er mit Farbe vermischte und auf Kartons streichte.9)Peter Funken, Jakob Gasteiger, Eine Kunst aus der Konzentration und Ruhe, in: ART FORUM, BAND 224, 2013, MONOGRAFIE, S. 207f Näheres zum Werk Gasteigers siehe auf dessen Homepage.

and Materials and Money and Crisis

So hieß eine Ausstellung im MUMOK, die vom 8.11.2013–2.2.2014 in Wien zu sehen war. Zu sehen war unter anderem Maria Eichhorns Werk: Meer. Salz. Wasser. Klima. Kammer. Nebel. Wolken. Luft. Staub. Atem. Küste, Brandung, Rauch von 199110)Siehe die Abbildung auf thegap.at sowie der Dokumentarfilm „Staub“ von Hartmut Bitomsky. Die Ausstellung versuchte zu zeigen, wie zufällig, veränderlich und instabil der Begriff „Material“ ist.11)Begleitheft zu and Materials and Money and Crisis

Staubskulpturen

Bereits in gegen Ende der 80er Jahre des 20. Jahrhunderts schafft Erwin Wurm die sogenannte Staubskulpturen, Staub als plastisches Bildmaterial.12)Helmut Friedel, Zum Skulpturbegriff bei Erwin Wurm, 7.5.2014 –  Städel-Blog  Staubablagerungen werden zwar mit Vergänglichkeit verbunden, Friedel führt aber aus, dadurch das „Wurm die Wiederholbarkeil der Staubarbeiten postuliert und Zertifikate zum Erstellen von Staubskulpturen ausgibt, macht er diese dauerhaft, erhebt sie zu unzerstörbaren, der Zeit trotzenden Denkmälern„.13)Helmut Friedel, Zum Skulpturbegriff bei Erwin Wurm, 7.5.2014 –  Städel-Blog Lediglich der Abdruck der Skulptur ist im Staub auszumachen, wodurch der Betrachter dazu animiert werden soll, sich die Skulptur in seinem Kopf selbst zu erschaffen, aber auch auf das Verhältnis von Sockel und Skulpturvolumen selbst einzugehen.14)Siehe dazu sehr ausführlich die Diplomarbeit von Gabriele Gantenbein, vor allem S. 19 und 21 Eine Abbildung einer Staubskulptur findet man ua auf Contemporary Art Daily.

So, genug Staub aufgewirbelt … am Schluss noch ein paar Literaturempfehlungen:

  • Gabriele Gantenbein, Eine Untersuchung der Steuerungselemente bei Erwin Wurm Ausstellungen, Diplomarbeit Wien 2008 – Link.
  • Daniel Gethmann/Anselm Wagner, Staub: Eine interdisziplinäre Perspektive 2013.
  • Birkett/Lewitt/Atkinson, and Materials and Money and Crisis 2013.
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Fußnoten   [ + ]

1.Christiane Fricke, Birgit Jürgenssen, Handelsblatt 14.1.2011 – Link
2.Siehe auch die Homepage von NewLaboratoria – Dust
3.Näheres zu dieser Ausstellung kann auf der Homepage des ORFs sowie auf der Homepage des Standards nachgelesen werden
4.Simon Hadler, ORF. Dazu unten noch ein Staubflankerl.
5, 6.Simon Hadler, ORF
7.Karl-Markus Gauß, Ein alter Mann beschwert sich, in: Kornmüller/Wolf, Museum der Träume, Brandstätter Verlag Wien 2014, S. 198.
8, 9.Peter Funken, Jakob Gasteiger, Eine Kunst aus der Konzentration und Ruhe, in: ART FORUM, BAND 224, 2013, MONOGRAFIE, S. 207f
10.Siehe die Abbildung auf thegap.at
11.Begleitheft zu and Materials and Money and Crisis
12, 13.Helmut Friedel, Zum Skulpturbegriff bei Erwin Wurm, 7.5.2014 –  Städel-Blog
14.Siehe dazu sehr ausführlich die Diplomarbeit von Gabriele Gantenbein, vor allem S. 19 und 21