Schick­sal­swege — Von Bildern und Samm­lern: Stuart Little und die Schlafende Frau — Teil 4

Kategorien Kunst &, Kunstrecht, Provenienzforschung

In unserer Reihe Schicksalswege — Von Bildern und Sammlern haben wir unter anderem die Wege von Egon Schieles Wally , Kirchners Berliner Straßen­szene, Vermeers Malkunst sowie im wunderbaren Gastbeitrag von Gast­beitrag von Tanja Bern­sau — Die “Bunte Köni­gin” zu Gast in Wiesbaden unter die Lupe genommen.

Das ein Unterbewusstsein eines Kunsthistorikers niemals schläft, wird in diesem Teil unserer Serie mehr als deutlich. Viele Schicksale von Kunstwerken, die bis heute verschollen geblieben sind, sind noch immer unklar. Es sind die Zufälle, an die man nicht mehr glauben mag, die längst Verschollenes wieder hervorbringen. Das Wunder dennoch geschehen und sogar an Weihnachten lässt uns also noch hoffen …

So wie auch in diesem Fall. Als Gergely Barki, ein ungarischer Kunsthistoriker, mit seiner Tochter ganz gemütlich Stuart Little anschauen wollte, konnte er nicht glauben, was er am Bildschirm sah:((http://www.theguardian.com/world/2014/nov/27/stuart-little-art-historian-long-lost-hungarian-masterpiece vom 4.11.2015)) Ein lang verschollen geglaubtes Avantgarde Bild des ungarischen Malers, Vertreters der Gruppe „Die Acht“ ((http://www.kunstforumwien.at/de/austellungen/kunstforum/166/die-acht-ungarns-highway-in-die-moderne vom 4.11.2015)), Róbert Berény. Im Trailer ist das Bild bei 2.10 zu sehen.

Nur schwer lässt sich der Schicksalsweg der “Schlafenden Frau mit schwarzer Vase“ nachvollziehen. Die letzte Evidenz führte zu einer Ausstellung 1928, Barki war dieses Bild aus einer schwarz-weiß Photographie aus dieser Zeit bekannt, an einen unbekannten Käufer verkauft, verwischen sich die Spuren des Kunstwerkes im Zuge der Ereignisse des Zweiten Weltkrieges.((http://www.thehistoryblog.com/archives/33637 vom 4.11.2015))

Barki, den das Kunstwerk nicht in Ruhe ließ, kontaktiert daraufhin die Produktionsfirmen und versucht das Werk ausfindig zu machen. Erst Jahre später kontaktiert ihn eine ehemalige Set Designerin des Kinderfilms, in deren Besitz sich das Kunstwerk befand.((http://www.thehistoryblog.com/archives/33637 vom 4.11.2015))

Wieder nach Ungarn zurückgekehrt, wird das einst verschollene, danach um 500 Dollar von der Set-Designerin erworbene, an einen Privatsammler verkaufte Meisterstück, im Budapester Virág Judit Galerie und Auktionshaus mit einem Ausfrufpreis von Euro 110.000 ((http://viragjuditgaleria.hu/en/item/10996/ vom 4.11.2015)) gelistet und am 13. Dezember 2014 um € 229,500 versteigert.((http://www.sueddeutsche.de/kultur/kunstschatz-in-stuart-little-verschollenes-meisterwerk-in-kinderfilm-entdeckt-1.2247341 vom 4.11.2015))

Also Augen auf bei nächstem Filmabend, man weiß ja nie …

Wir bedanken uns herzlich bei der Virág Judit Galéria für die Zusendung und der fre­undlichen Genehmi­gung der Ver­wen­dung des Bildes.

Coverbild: Berény Róbert, Die Schlafende Frau mit Schwarzer Vase,
zwis­chen 1924–1928, © Virág Judit Galéria

Zitiervorschlag: Eva Mazur, "Schick­sal­swege — Von Bildern und Samm­lern: Stuart Little und die Schlafende Frau — Teil 4," in: in arcadia ego, 12. November 2015, https://www.in-arcadia-ego.com/schicksalswege-von-bildern-und-sammlern-stuart-little-und-die-schlafende-frau-teil-4/.

1 Gedanke zu „Schick­sal­swege — Von Bildern und Samm­lern: Stuart Little und die Schlafende Frau — Teil 4

  1. Hallo Ihr Lieben,

    das war wirklich eine unglaubliche Geschichte – verschollene Kunst taucht in einem Hollywoodstreifen wieder auf. Aber ich glaube, dass wird nicht das letzte Mal gewesen sein, wo wir auf wundersame Weise längst verloren geglaubte Werke wieder finden. Es bleibt spannend, nicht nur für Kunstdetektive!!
    Grüße aus Wiesbaden
    Tanja

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