We made it – Crowdfunding im Kunst- und Kulturbereich

Die Unterstützung des Publikationsprojektes „Virgilkapelle“ des Wien Museum war die erste Crowdfunding-Aktion, an der wir uns beteiligten. Ein Blick auf Crowdfunding aus kultureller und rechtlicher Sicht lohnt sich.

Crowdfunding ?

Crowdfunding wird als Unterform des Crowdsourcing angesehen. In einfachen Worten: jemand (Initiator) entwickelt ein kulturelles Projekt, wie Ausstellung, Publikation, Theaterstück etc. und benötigt dafür Geld. Über eine Crowdfunding-Plattform (siehe dazu unten) wird das Projekt eingehend vorgestellt. Damit es für die Unterstützer_innen (auch Backer genannt) auch einen Anreiz gibt, werden unterschiedlichste Belohnungen, Dankeschöns bzw. Gegenleistungen angeboten. So ist das Crowdfunding ein richtiges Win-Win – für beide Seiten !

Charakteristisch für Crowdfunding sind folgende Merkmale:((Wenzlaff/Gumpelmaier/Eisfeld-Reschke, Definition von Crowdfunding (beta), auf: http://www.ikosom.de/2012/06/11/definition-von-crowdfunding-beta/ vom 11.6.2012))

  • ein begrenzter Finanzierungszeitraum
  • Alles oder Nichts Prinzip
  • Gegenleistungen / Belohnungen / Goodies

Die Crowdfunding-Aktion des Wien Museums läuft zB noch bis zum 24.10.2015 (also schnell sein !).

Sollte es ein Projekt nicht schaffen, so sieht WeMakeIt zB vor, dass die Unterstützer_innen ihr Geld zurückbekommen, allerdings hat es dann das Projekt nicht geschafft die Crowd zur Finanzierung zu bewegen.

Besonders spannend und interessant finden wir immer die Gegenleistungen des Projektinitiator, diese reichen bei der Virgilkapelle von einem freien Eintritt und der Name kommt auf die digitale Ehrentafel der Homepage (für eine Förderung in der Höhe von € 10,-), beteiligt man sich mit einem Beitrag von € 30,-, dann bekommt man das Buch zu einem Vorzugspreis und wird als namentlicher Unterstützer_in in der ersten Auflage genannt. Exklusive Stadtführungen, Vorabbesuche in der Virgilkapelle, Sonderführungen mit Kuratoren oder dem Direktor Matti Bunzl, eine unglaublich, kreative Liste an Gegenleistungen, an denen man als Unterstützer_in kaum vorbeigehen kann.

Diese Form des Crowdfunding wird als reward based crowdfunding bezeichnet.

Klassischer Ablauf

Am Anfang steht eine Idee, ein Projekt, dass es zu finanzieren gilt. Zunächst gilt es zu überlegen, welche Summe man für das Projekt benötigt und wieviel davon via Crowdfunding finanziert werden soll. Die Crowdfunding-Aktion des Wien Museums läuft auch unter dem Bank Austria Kunstpreis: ausgewählte Projekte erhalten im Rahmen des Preises ein Drittel des Finanzierungsbedarfs.

Bank Austria PrintScreen 1
Abb.: Printscreen von www.wemakeit.at

Christian Henner-Fehr hat auf seinem Blog einen absolut lesenswerten Beitrag zu Crowdfunding veröffentlicht – Crowdfunding in 11 Schritten, in dem er wesentliche To-Do-Punkte aufzählt, die für die Planung bzw. für einen erfolgreichen Ablauf eines Crowdfunding-Projektes unerlässlich sind. Anke von Heyl hat in ihrem Beitrag „Erfolgreiches Crowdfunding“ ihre Eindrücke und Erfahrungen zu einem Projekt näher beschrieben.

Welche Plattformen gibt es ?

Für den Kultur- und Kunstbereich sind hier zB die Plattformen WeMakeIt bzw. StartNext zu erwähnen.

Ein Überblick über Crowdfunding-Plattformen ist hier ersichtlich – Link

Bedeutung des Crowdfunding für den Kunst- und Kulturbereich

Crowdfunding ist auch für Kulturinstitutionen in Zeiten, wo die Kulturförderung zurückgeht, eine neue Form an Geld für Projekte zu kommen. Die Unterstützer_innen können einfach, bereits durch Kleinstbeträge, sich an einem Kulturprojekt beteiligen.

Die Projekte reichen in von Büchern, wie es zB die Publikation der Virgilkapelle durch das Wien Museum, zu Theateraufführungen, Ausstellungen uvm. Die Wurzeln des Crowdfunding im Kulturbereich liegen vor allem in der Finanzierung von Filmen.

Achtung – eine „Warnung“ – wer jetzt glaubt, dass die Finanzierung mittels Crowdfunding ein „aufgelegter Elfer“ ist, der wird nun auf den Boden der Realität geholt – eine 100 %ige Garantie, dass das Projekt so finanziert wird, gibt es nicht. Christian Henner-Fehr hat in Teil IV seines Beitrages die Erfolgsquoten dargestellt – Link

Laut WeMakeIt sehen die Erfolgsquoten folgendermaßen aus:

printscreen3
Abb.: Printscreen von www.wemakeit.at

Das Naturhistorische Museum wollte einen 400g schweren Mondmeteoriten via Crowdfunding ankaufen ((http://derstandard.at/2000008612907/Crowdfunding-soll-Naturhistorischem-Museum-Wien-zu-Mondmeteoriten-verhelfen)). Mittels Crowdfunding sollte ein Betrag von € 110.000,- finanziert werden, am 31.1.2015 endete die Aktion: 15 % (€ 17.162,-) wurde von der Crowd eingesammelt.((http://de.ulule.com/help-us-to-get-the-moon/))

Der Künstler Silvio Lorusso sammelt auf Kickended Crowdfunding-Projekte, die es nicht schafften – ein Museum der Crowdfunding-Flops.((http://futurezone.at/digital-life/kickended-museum-der-crowdfunding-flops/97.784.185))

Wobei ein „Scheitern“ der Aktion nicht das Ende bedeutet, ein Überdenken, Überarbeiten des Projekts und der Präsentation, ein neuerliches Einreichen können durchaus dazu führen, dass in einem zweiten Anlauf des Projekt seine Finanzierung erhält.

Im Mai 2015 fand in Salzburg ein KulturAgenda Seminar zum Thema „Crowdfunding the Museum 2015“ statt, dies zeigt das steigende Interesse der Kulturbetriebe für diese Thematik.

Der Vorteil des Crowdfunding liegt auch darin, dass sich die Unterstützer_innen sich auch als Teil des Projektes sehen, durch Kleinstbeiträge kann man sich daran beteiligen und am Ergebnis erfreuen.

Rechtliche Aspekte des Crowdfunding

Auf die rechtlichen Probleme des klassisches Crowdfundings, wo man Geld in Unternehmen, Start-ups etc. steckt, gehen wir an dieser Stelle nicht ein. Die Streitigkeiten zwischen der FMA und Heinrich Staudinger von GEA sind bekannt. Am 14. August 2015 wurde das Alternativfinanzierungsgesetz im Bundesgesetzblatt Nr. I 114/2015 veröffentlicht – Link

Tamara Schöntaler hat in ihrer Diplomarbeit ua die rechtlichen Problemstellungen rund um das Thema Crowdfunding thematisiert (ab Seite 27) – Link.

Reward-based Crowdfunding ist von der Definition „alternative Finanzierungsform“ des § 2 Z 2 des Gesetzes allerdings nicht umfasst:

printscreen4
Abb.: Printscreen des BGBl von www.ris.bka.gv.at

Crowdfunding – Projekt des Wien Museums

Wie eingangs erwähnt, war das Buchprojekt zur Virgilkapelle des Wien Museums unsere erste Beteiligung an einer solcher Aktion. Mit Dezember 2015 soll die Virgilkapelle wiederöffnet werden, die Bau- und Nutzungsgeschichte wurde eingehend erforscht und diese Ergebnisse sollen nun in einem Buch veröffentlicht werden. Das Wien Museum beschritt hier den Weg der Finanzierung mittels Crowdfunding.

Die Belohnungen waren eine „Qual der Wahl“ – eine verlockender als die andere. Letztlich haben wir uns für die Publikation entschieden.

Zu erwähnen ist auch noch, dass die Crowdfunding-Beiträge zum Wien Museum Projekt zu mindestens 50 Prozent steuerlich absetzbar sind (gilt für Beträge ab €30).

Der Projektstatus der Crowdfunding-Aktion sieht derzeit wie folgt aus:

Projektstatus
Abb.: Printscreen von www.wemakeit.at

Da uns die Aktion gut gefiel und wir einige Fragen an das Wien Museum hatten, nahmen wir mit der Marketing-Abteilung Kontakt auf, die sich sofort bereit erklärte uns ein paar Fragen zu beantworten. Besonders erfreulich war für uns, dass der Direktor selbst uns ein Interview gab, das hier nachgelesen werden kann.

Zitiervorschlag: Dr. Alexandra Pfeffer, "We made it – Crowdfunding im Kunst- und Kulturbereich," in: in arcadia ego, 19. Oktober 2015, https://www.in-arcadia-ego.com/we-made-it-crowdfunding-im-kunst-und-kulturbereich/.

Abb. Beitragsbild – © Wien Museum – Stephansplatz mit Virgilkapelle (Ausschnitt); Illustration: Stefanie Hilgarth

5 Gedanken zu „We made it – Crowdfunding im Kunst- und Kulturbereich“

  1. Liebe Alexandra,
    schönes Beispiel und gute Einblicke in das zur Zeit immer beliebter werdende Crowdfunding! Ich habe vor zwei Jahren auch ein Crowdfunding-Projekt konzipiert und durchgefüht. Dabei lernt man eine ganze Menge. Vor allem, dass die Hauptarbeit in die Aktivierung der Community gesteckt werden sollte.

    Ich erlebe es immer öfter, dass Kampagnen – auch im Kulturbereich – gestartet werden, die alleine die Geldfrage im Blick haben. Das ist natürlich auch Sinn und Zweck solcher Kampagnen. Ich sehe das aber kritisch, wenn man noch keine Community in den sozialen Netzwerken hat, die man für solche Aktionen aktivieren kann. Andersrum kann so ein Crowdfunding-Projekt auch dazu führen, dass man gezielte Kommunikationsstrategien ausarbeitet. Das ist eine Chance. Die so gewonnene Fanbase kann man nämlich auch nach Beenden der Kampagne weiter nutzen.

    Wir haben damals eine erfolgreiche Kampagne hinbekommen. Vor allem, weil wir ein realistisches Fundingziel hatten. Für fünfstellige Beträge, die ich öfter aufgerufen sehe, muss man schon echt was in der Hinterhand haben. Da reicht es nicht, wenn man selbstgestrickt ans Werk geht. Da muss zum Beispiel der Pitch-Film richtig was hermachen.

    Ich finde es trotz allem (Crowdfunding ist toll, macht aber richtig viel Arbeit!) klasse, wenn Kulturinstitutionen (und auch Künstler) sich an Crowdfunding herantrauen. Vor allem, was die Dankeschöns angeht, haben die nämlich schon mal jede Menge toller Rewards zu bieten!

    Herzliche Grüße von Anke

  2. Liebe Alexandra,

    wunderbar, dass du das Crowdfunding am Beispiel der erfolgreichen Aktion der Virgilkapelle so fundiert vorstellst. Ja, das gibt es schon länger und ja, nicht alle Kulturprojekte glänzen dabei. Und ja, Professionialisierung und Authentizität sind die nötigen Ingredienzen für den Erfolg. Und ja, es ist definitiv eine Option für die finanziell gebeutelten Kulturinstitutionen.

    Social Media bietet große Chancen! Siezu nutzen erfordert ein Umdenken und Sich-Einlassen auf Neues – aber es lohnt sich!

    Anke hat dazu auch einen guten Beitrag im Blog geschrieben: http://www.kulturtussi.de/erfolgreiches-crowdfunding/

    Herzlich,
    Tanja

  3. In vielen Bereichen wird mittlerweile auf Crowdfunding zurückgegriffen und es ist beeindruckend zu sehen, was sich dadurch schon alles hat realisieren lassen. Mit der richtigen kann einiges erreicht werden, vor allen Dingen lassen sich finanzielle Unterstützer finden.

Kommentare sind geschlossen.