#artbookfriday – Geh und spiel mit dem Riesen!

© Kerber Verlag

Das von Michael Buhrs, Ann Marr und Eva Maria Stadler anlässlich der bis zum 10. Januar 2016 laufenden, gleichnamigen, Ausstellung in der Villa Stuck herausgegebene und im Kerber Verlag erschienene Buch „Kindheit, Emanzipation und Kritik“ stellt das Thema Kindheit in einem künstlerischen Kontext dar.

Über das Buch

In den unterschiedlichsten Beiträgen wird auf das Zusammenspiel von Kindern und Kunst und Museen eingegangen.

Andreas Neumeister arbeitet in seinem Beitrag „Riesen, Zwerge und Zwergriesen -Münchner Vorstudien zu einer experimentieren Begriffsrelativierung“ mit unterschiedlichen Begriffen wie Riesenwörter dritter, zweiter und erster Ordnung.

Besonders toll zu lesen war für mich das Kapitel von Anne Marr „Ratlos im Museum“, in dem die Autorin gekonnt auf die „Problematik“ der Museumsbesuchen mit Kindern eingeht:

„Ich muss still sein, darf nichts anfasse, und es ist schlichtweg langweilig“, so lautet nach Murr der Grundtenor von befragten Kindern. Anhand einer historischen Betrachtung der Museumspädagogik führt Murr sehr treffend aus, dass bei der Bemühung Kinder an Kunst und Kultur heranzuführen, viel von Fähigkeiten und von Kompetenzen, die gefördert werden, gesprochen werde, es sich dabei aber um Legitimierungsversuche handle, um Kinder in Kunstmuseen zu schicken, wobei Kunst als Teil eines elitären Bildungskanons innerhalb eines leistungsorientierten Bildungskanons angesehen werde (Seite 31).Aus eigener Erfahrung mit Kindern kann man der Autorin nur beipflichten, dass ein wichtiger Aspekt die Kunstbetrachtung und die Beschreibung des Kunstwerkes für die Kinder ist. Kinder, vor allem jüngere betrachten ein Kunstwerk wertfrei und können unglaublich interessante Beobachtungen und Beschreibungen mit ihren Worten verfassen. Auf S. 36 ist so ein Dialog unter Kindergartenkindern aufgezeichnet worden, die das Bild Transition von 2013 von Martin Eder beschreiben.

Murr führt aus, dass die Kunstvermittlung und Museumspädagogik in Bezug auf Kinder in den Museen eher unterrepräsentiert ist und kaum als Zielgruppen ernstgenommen werden. Die Aspekte, die Murr hier anspricht und zur Diskussion stellt sind sehr spannend, da möchte ich demnächst näher darauf eingehen.

Katharina Röggla steuert mit „Zwergenagenda“ eine wunderbare Geschichte bei. Helmut Traxler behandelt in „Auf Biegen und Brechen“ unterschiedliche (pädagogische) Ansätze wie Kinder begriffen werden können (wie John Locke, Johann Amos Comenius, Fritz Breithaupt usw.).

Eva Maria Stadler begründet in ihrem Beitrag „Geh und spiel mit dem Riesen ! Kindheit, Emanzipation und Kritik“ zunächst an wen sich die gleichnamige Ausstellung richtet und führt aus, dass der Frage, was nun das Kindsein ausmacht, aus einer künstlerischen Perspektive sowie Vorstellungen von der Rolle des Kindes bzw. der Rolle der Erwachsenen, kritisch nachgegangen wird. Der Aufbau der Ausstellung und die Auswahl der dazugehörigen Kunstwerke erfolgte aufgrund von Schlüsselbegriffen wie Dschungel, Monster, Riesen, Router und Kawaii. Es wird auf der Namensgeber genannt: Geh und spiel mit dem Riesen (Jahrbuch der Kinderliteratur), das 1971 erschien. Stadler liefert danach eine interessante historische Übersicht über die Entdeckung der Kindheit.

So manches Kunstwerk, wie von Heimo Zobernig, ist anlässlich der Ausstellung entstanden. Das Buch beinhaltet auch eine Beschreibung, wie an so manches Ausstellungsobjekt heranzugehen ist (S. 106 – Raum für dicke Kinder un schlechte Laune von Mirjam Thomann). Letztlich erfolgt noch eine ausführliche Beschreibung der Schlüsselbegriffe und welche Kunstwerke zu sehen sind.

Zahlreiche Abbildungen runden das Buch ab und machen neugierig auf die Ausstellung, in der Künstler wie Heimo Zobernig, Rosemarie Trockel, Cosima von Bonn, Asger Jorn, Mike Kelley uvm. gezeigt werden.

Fazit

Ein absolut lesenswertes Buch, das sich dem Kontext von Kindern im Museum widmet. Mit spannenden Ansätzen, die wir mancherorts noch näher diskutieren möchten. Ein Buch, das Museen, Museumspädagogik und Kulturvermittlung zum Denken anregen soll, wie in Zukunft auf Kinder eingegangen werden könnte.

Die Ausstellung selbst ist noch bis zum 10. Januar 2016 in der Villa Stuck in der Prinzregentenstraße 60 in München zu sehen.

Facts

  • Titel: Kindheit, Emanzipation und Kritik
  • Herausgeber_innen: Michael Buhrs/Anne Marr/Eva Maria Stadler
  • 256 Seiten
  • Ker­ber Ver­lag
  • Preis: € 29,90 in D

Wir danken dem Ker­ber Ver­lag für die Übersendung eines Rezen­sion­sex­em­plares ! Diese Rezen­sion erscheint im Rah­men des #art­book­fri­day, ins Leben gerufen von Muse­um­lifestyle.

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