#artbookfriday – Gutes böses Geld. Eine Bildgeschichte der Ökonomie

© Kerber Verlag

Was ist Geld? Ist Geld gut oder böse? Der Katalog zur Ausstellung Gutes böses Geld. Eine Bildgeschichte der Ökonomie (5.3.2016 – 19.6.2016) setzt sich mit der Bildgeschichte des Geldes  der letzten 750 Jahre auseinander. In Kooperation mit dem Casino Baden-Baden, dem Stadtmuseum Baden-Baden und dem Theater Baden-Baden präsentiert die Kunsthalle Baden-Baden einen Überblick zum vorliegenden Sujet, vor allem werden prägende Beispiele der künstlerischen Darstellung des Geldes wiedergegeben.

Über das Buch

Dass Geld nicht immer existent war, sondern auf eine Entwicklung aus dem Tauschhandel zurückzuführen ist, bestätigt mittlerweile die moderne Forschung und wird von dem Kunsthallenleiter Johan Holten in seinen Überlegungen berücksichtigt. Entgegen meiner Erwartungen, freute ich mich Zitate von beispielsweise Tomáš Sedláček (Die Ökonomie von Gut und Böse, München, 2012) oder David Gräber (Schulden: Die ersten 5000 Jahre, Stuttgart, 2012) u.a. in der ca. 55 Seiten langen, ausführlichen Erläuterung von Johan Holten zu finden.

Besonders spannend ist die Entwicklung der Darstellung des Geldes, welche parallel mit dem Aufstieg von Handelsleuten als Personen des öffentlichen Lebens eng verbunden ist.

Zunächst wird die Finanzverwaltung der Stadthaltung bildlich mit dem Geld in Verbindung gebracht. Anschließend werden die ersten Geldeintreiber und Wucherer, charakteristisch durch Grimassen und Fratzen wiedergegeben, die Gier und Habsucht symbolisieren, gezeigt. Diese Gattung kann bereits zu Genrebildern gezählt werden. Infolge kam es zu einem weiteren Wandel: die Darstellung des Geldes wurde säkularisiert und diente der Vermittlung moralischer Werte. Als Beispiel hierfür wird das Gleichnis vom Zinsgroschen beschrieben.

Erst mit dem Aufkommen der Handelsschicht steigt auch das Interesse an einer adäquaten Repräsentation, denn schließlich soll der hart erworbene Reichtum dargestellt und die erbrachte Leistung anerkannt werden. Diesen gesellschaftlichen Wandel ergänzt die Genremalerei des 17. Jahrhunderts, welche die Porträts der reichen Oberschicht kontrastiert. Nun setzt sich der Künstler auch mit der Armut auseinander. Johan Holten führt anschließend gekonnt ins 20 Jahrhundert und gibt am Beispiel der Vergänglichkeit ökonomischer Systeme eine zeitgenössische Entwicklung wider.

Fazit

Wer die Ausstellung verpasst haben sollte, findet in dem dazugehörigen Katalog eine ausgezeichnete Auseinandersetzung mit einer unverzichtbaren Thematik, spannende Texte und ideale Bildbeispiele in sehr guter Qualität. Die dazugehörigen Bildbeschreibungen sind wohlgegliedert und beziehen kritisch Stellung. Jedoch: die Frage, ob denn nun Geld gut oder böse ist, wird leider nicht beantwortet…

Facts

  • Titel: Gutes böses Geld. Eine Bildgeschichte der Ökonomie
  • 319 Seiten
  • 166 farbige und 24 s/w Abbildungen
  • Kerber Verlag
  • Preis: € 48,00 [D] | CHF 58,94

Wir danken dem Ker­ber Ver­lag für die Übersendung eines Rezen­sion­sex­em­plares ! Diese Rezen­sion erscheint im Rah­men des #art­book­fri­day, ins Leben gerufen von Muse­um­lifestyle.

 

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