#artbookfriday & #regrettingmotherhood in der Kunst – Rabenmütter

Der Hashtag #regrettingmotherhood war im letzten Jahr in aller Munde ! Zahlreiche Artikel nahmen Bezug auf die Studie von Orna Donath, in der sie sich mit Frauen, die ihre Mutterschaft bereuen, auseinandersetzt. Im Lentos in Linz ist noch bis zum 21.2. die Ausstellung Rabenmütter zu sehen, die sich mit ähnlichen Fragestellungen im Kontext zur Kunst beschäftigt.

Anlässlich der Ausstellung erschien im Verlag für moderne Kunst der Katalog Rabenmütter. Zwischen Kraft und Krise: Mütterbilder von 1900 bis heute. Eingeteilt wurde in folgende Kapitel

  • Mutterleben
  • Mutterleid
  • Mutterkörper
  • Mutterstolz
  • Mutterkonflikt
  • Meine Mutter
  • Muttersünden

Diese mit der Mutterschaft verbundenen Begriffe werden aus Sicht der Mutter und des Kindes nach verschiedenen Gesichtspunkten hin untersucht. Ich picke mir hier den Begriff „Mutterkonflikt“ heraus: darunter wird das Ringen um die Rückerlangung der eigenen Autonomie verstanden (S. 18). An Kunstwerken werden hier Werke von Viktor Tischler von 1920, Akasel Waldemar Johannessen (Mutter und Tochter, 1918), Kiki Kogelnik von 1975, etc. erwähnt.

In dem Gemälde von Viktor Tischler fällt die „Distanz und Entrüktheit“ der Mutter gegenüber der stürmischen Umarmung ihrer Tochter auf.

Rabenmütter ?!

Stella Rollig schreibt sehr treffend in dem Vorwort, wieso der Titel Rabenmütter gewählt wurde:

Alle Mütter sind Rabenmütter, könnte man überspitzt behaupten – weil es unmöglich ist, allen zum Teil widersprüchlichen Anforderungen Genüge zu tun, die an eine Mutter gestellt werden, nicht zuletzt von ihr selbst (S.7-8).

Gezeigt werden in der Ausstellung vor allem Kunstwerke von Frauen, wobei Rollig betont, dass seit der feministischen Kunst ab 1970 auch nicht idealisierte Darstellungen der Mutterschaft aufkamen.

Barbara Vinken klärt über den Begriff Rabenmütter auf – der schlicht weg aus einer falschen Übersetzung der Bibel entstand (S. 25) und arbeitet die Rolle der Frau in der Familie und als Mutter aus historischer Sicht nachvollziehbar auf.

Mit „Muttersaft“ liefert die Autori Gertraud Klemm eine Gesichte zum Kapitel Mutterliebe ab (S. 41 bis 45).

In Mutterleid geht Elisabeth Nowak-Thaller dem schlimmsten Moment im Leben einer Mutter nach – dem Tod des Kindes durch Krankheit, Epidemie, Unfall oder Krieg und verbindet diese sensible Materie gekonnt mit Kunstwerken, wie zB Totes Kind bei den Engeln von Johann Gusta Dittenberger, Hanna Nagel, Der Paragraph, 1931 oder Oskar Kokoschka, Alma Mahler mit Kind und Tod, 1913. Auch Themen wie der Kindsmord oder die Verarbeitung der Abtreibung (Kokoschka) wird thematisiert (S. 57 – S. 68).

Im Kapitel „Mutterkörper“ kommt Florentina Pakosta mit ihrem Text „Trennung. Den Kampf verloren“ zu Wort. Renate Berger widmet sich mit „Zur Mutterimago von Ulrike Rosenbach, Mary Kelly und Annegret Soltau“ (S. 81 – S. 87) der Frage, wie Mutterschaft von Künstlerinnen, die in den 1940 Jahren selbst geboren und sich in ihren Dreißigern dem Thema der Mutterschaft zuwandten, sich in ihren Arbeiten der 70er und 80er Jahre bemerkbar machte.

Das Kapitel „Mutterstolz“ zeigt Kunstwerke beginnend mit Siegfried Anzinger, Mutter und Kind, 1995; Hans Makart, Frau mit zwei Kindern, 1870, Max Oppenheimer, Mutter und Sohn, 1911; Maria Lassnig, Die große Mutter, 1964; Lovis Corinth, Anton Faistauer, Andy Warhol uvw. Unterschiedlichste Werke aus unterschiedlichsten zeitlichen Epochen, die einen unglaublichen Eindruck über das Muttersein durch die Zeit, über die Jahrhunderte, umgesetzt durch Kunstwerke, liefert.

In Mutterkonflikt kommen Künstlerinnen wie Therese Eisenmann, Christine Hohenbüchler, Ursula Hübner und Florentina Pakosta und Andrea Pesendorfer im Gespräch mit Hannah Winkelbauer zu Wort – Auszüge aus den Gespräche über „Kunst und Kinder (S. 109 – S. 111).

Im Gespräch mit meiner Mutter Greta – Tonbandabschrift 1989 – André Müller und sein Gespräch mit seiner Mutter bilden das Kapitel „Meine Mutter“ (S. 121 – S. 138).

Den Abschluss bildet Muttersünden mit Werken von Gottfried Helnwein, Larry Clark oder Alfred Kubin. Ein Werkverzeichnis rundet den Katalog ab.

Fazit

Ein gleichermaßen einfühlsamen, schockierendes, aufrüttelndes, nachdenklich machendes Buch zur gleichnamigen Ausstellung im Lentos. Besonders gut gefiel mir der Kontext zur Kunst, die Reflexion der Künstler_innen auf die Mutterschaft sowie die Auswahl der gezeigten Kunstwerke.

Facts

  • Titel: Rabenmütter. Zwischen Kraft und Krise: Mütterbilder von 1900 bis heute.
  • Herausgeber: Lentos Kunstmuseum Linz
  • 192 Seiten
  • Verlag für Moderne Kunst
  • Preis: € 29,-
  • Link zur Ausstellung

Diese Rezen­sion erscheint im Rah­men des #art­book­fri­day, ins Leben gerufen von Muse­um­lifestyle.

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