Zukunft der Malerei. Eine Perspektive.

Am 2.10.2014 erhielten wir den druckfrischen Katalog zur gleichnamigen Essl-Ausstellung „Kunst der Malerei“, den wir gleich an dieser Stelle vorstellen möchten.

Inhalt bzw. Beiträge im Katalog

Prof. Karlheinz Essl – Ich habe die Zukunft gesehen

Günther Oberhollenzer – Es lebe die Malerei !

Günther Oberhollenzer – Von flirrendem Sommerlicht, fliegenden Menschen und rätselhaften Abstraktionen

Stephanie Damianitsch – Das Spiel geht weiter – Streiflichter auf die Malerei der Gegenwart

Daniel Domig – MALEREI / VERDICHTUNG / SPEKTAKEL

Weiters

Vorstellung der teilnehmenden KünstlerInnen

Nominees der Ausstellung

© Sammlung-Essl Kunst Verwaltungs GmbH / Edition Sammlung Essl

Zum Inhalt

Mit Spannung haben wir den Katalog erwartet, da wir ab November mit unserer Serie zur „Strömungen und Tendenzen in der Zeitgenössischen Malerei in Österreich – ein Versuch“ beginnen möchten. Oberhollenzer bringt es in seinem Beitrag „Es lebe die Malerei“ gekonnt auf den Punkt: In der Vergangenheit (und Gegenwart) wurde immer wieder über die Sinnhaftigkeit und Zukunft der Malerei diskutiert. Gefragt und hinterfragt wurde, ob nicht durch das Aufkommen der Fotografie die Malerei verschwinden würde, im Gegenteil, durch die Fotografie wurde es der Malerei ermöglicht sich anstelle auf das Motiv auf die Malweise zu konzentrieren. Die Fotografie nahm der Malerei die „Last“ der Abbildung ab. Oberhollenzer warf die Fragen auf – Welche malerischen Positionen gibt es in Österreich zu entdecken und welche Rolle spielt die Malerei in der Kunstszene Österreichs ? Wie sieht die Entwicklung dieser in den letzten Jahren aus ?

Besonders bemerkenswert sind die im Katalog abgebildeten Künstlerfotos von Julian Tapprich, der dadurch dem Leser einen einzigartigen Einblick in die Ateliers der KünstlerInnen ermöglicht.

Dem ersten Beitrag Oberhollenzer folgt der erste Teil der Künstlerinnen und Künstler, wobei der Aufbau immer derselbe ist.

Zunächst ein Foto der Künstlerin / des Künstlers und auf der gegenüberliegenden Seite quasi ein „Infoblatt“ mit folgendem Inhalt:

  • Name und Daten
  • Ausbildung
  • Ausgewählte Ausstellungen
  • Künstlerstatements

Besonders toll finden wir die jeweiligen Statements der Künstler, wodurch diese auf ihre künstlerische Arbeit näher, kurz und prägnant eingehen. Ein, zwei kurze Absätze, die vieles aussagen, worüber gearbeitet wird, was untersucht und versucht wird uvm.

Im Anschluss folgen die Abbildungen der Kunstwerke des Künstlers bzw. der Künstlerin.

Blättert man durch den ersten Teil der KünstlerInnen fällt einem sofort ins Auge wie unterschiedlich die Arbeiten und die Zugänge zur Malerei sind, Alfredo Barsuglia setzt sich mit dem Zusammenspiel von Kunst und Architektur auseinander (S. 19), in Cäcilia Falk Bildern sollen Dinge zueinander finden, die normalerweise nicht zusammen gehören (S. 31), die Arbeiten von Irina Georgieva erinnern an das Licht der Schule Caravaggios (S. 37), Lena Göbel fasziniert mit den Techniken des Holzschnittes (S. 43). Bei Suse Krawagna können wir nicht mehr neutral schreiben, ein wesentlicher Aspekt in der abstrakten Malerei der Arnulf-Rainer-Schülerin ist die Entwicklung eines Themas durch den Prozess des Seriellen, wobei jedes Bild Reaktion auf das vorher entstandene und Referenz für das noch folgende ist (S. 49). Das Polaroid als Basis der über-, zu- und abdeckenden Malerei steht im Mittelpunkt der Arbeit von marshall!yeti. In der Ausstellung selbst findet sich relativ wenig an abstrakter Malerei, neben Suse Krawagna fällt hier Vika Prokopavicuite auf. Robert Muntean selbst beschreibt seine Methodik wie folgt: „Kein gestischer Malduktus, sondern ein bewusster Umgang mit sich auflösenden Strukturen und Formen bestimmt meine Arbeit“ (S. 107). Besonders erwähnenswert ist Peter Nachtigall, der sich „für die Malerei als Medium in seiner Gesamtheit und inhaltlichen Komplexität“ interessiert. Er schuf sich sein eigenes Bildarchiv, das alle Spielvarianten der Malerei, sei es nun abstrakt, figurativ, gestisch, monochrom usw, beinhaltet. Bei der Zusammenstellung werden die Bilder zufällig dem Archiv entnommen und auch die Positionierung in der Hängung ist variabel (S. 94 und S. 113). Die Gemälde der Autodidaktin Bianca Maria Samer, ausgeführt in einer unglaublichen Präzision, zeigen neben Symbolen und einer detaillierten Bildsprache, Selbstporträts, die den Betrachter mit der Krankheit der begabten Künstlerin konfrontieren: „Bilder aus dem ICH – Seelenfotos, nicht mehr und nicht weniger.“ (S. 137).

Der Beitrag von Stephanie Damianitsch – Das Spiel geht weiter – Streiflichter auf die Malerei der Gegenwart versucht die derzeitige Lage der Malerei zu skizzieren. Eine Malerei, die sich immer wieder neu definiert, selbst überprüft und erweitert (S. 169).

Mit MALEREI / VERDICHTUNG / SPEKTAKEL zeichnet Daniel Domig mit Worten ein Gemälde und zeigt aktuelle Fragestellungen in diesem Kontext auf.

Mit dem Bildteil „Nominees der Ausstellung“ werden jene 23 Künstler gezeigt, deren Werke nicht in die Ausstellung aufgenommen wurden, ein ebenso spannender Querschnitt durch die zeitgenössische Malerei.

Diesmal haben wir den Katalog gelesen bevor wir die Ausstellung, die erst am 3.10.2014 eröffnet, gesehen haben. Die Künstlerinnen und Künstler und ihre abgebildeten Werke gefielen uns sehr gut und wir freuen uns die Bilder „live“ vor Ort zu besuchen. Insgesamt ein interessanter Blick oder wie es der Untertitel des Kataloges schon verrät, eine Perspektive auf die zeitgenössische Malerei in Österreich.

Weitere Eckdaten des Kataloges

Katalogredaktion: Günther Oberhollenzer, Johanna Langfelder-Hain

© Sammlung-Essl Kunst Verwaltungs GmbH / Edition Sammlung Essl

ISBN: 978-3-902001-82-5

Preis: € 19,-

Deutsch / Englisch

192 Seiten

Erhältlich im Bookshop des Essl Museums

Print Friendly, PDF & Email