#Lustwandeln – Gärten in der Kunstgeschichte

Endlich ist es soweit, die Natur reckt und streckt sich. Aus zarten Knopsen werden die ersten schönen Blüten. Es zieht alle nach draußen – raus in die Natur. Was hat das alles mit Kunst zu tun ? So einiges ! Was hat das mit Arcadia zu tun ? Ganz schön viel !  Aber lest selbst …

Am 19. April ab 11.00 h (Pflichttermin !) findet der Tweetwalk #Lustwandeln „Geheimnisse im Park – ein Frühlingserwachen der besonderen Art“ rund um das Schloss Nymphenburg statt. Ab durch die Hecke und raus in die Gärten !

Im Sommersemester 2012 betreute ich als Tutorin die Vorlesung „Bildende Kunst in Österreich vom Ende des 18. Jahrhunderts bis in die Gegenwart“ von Univ.-Doz. Dr. Werner Kitlitschka, dem das Aufzeigen von Strömungen in der Kunst, woher sie kommen, wo und wie sie auftreten, wo sie einzubetten sind und wohin sie uns führen (können) immer ein wichtiges Anliegen ist. Unter anderem haben wir uns damals mit dem Begriff der Landschaft und Gärten und ihrem Kontext zu Schlossanlagen auseinandergesetzt. Meine Notizen und Gedanken, die ich aus der Vorlesung mitnahm und dann auch im Tutorium vortrug, schlummerten viel zu lange. Allerdings folgt jetzt keine umfassende Untersuchung zur Gartenkunst, sondern einige Aspekte, die zum Nachdenken und Staunen anregen sollen. Diese Gedanken passen aber nun auch sehr gut zum #Lustwandeln, wozu die wunderbare Tanja Praske auf ihrem Blog zum Mitmachen aufrief. Danke für die Inspiration und den Anstoß, liebe Tanja !

Wichtige Persönlichkeiten der Gartenkunst

  • André le Notre schuf monumentale Gartenanlagen (wie Schloss Versailles). Sein Schüler, Dominique Girard, war an der Gestaltung des barocken Garten von Schloß Nymphenburg und dem Garten des Belvederes in Wien beteiligt.
  • Antoine Joseph Dézallier d‘Argenvilles, ein französischer Gartentheoretiker, der 1709 das Traktat „La Théorie et la Pratique du Jardinage“ verfasste und wonach die Kunst der Natur dienen sollte.
  • Die Verbreitung der Idee des Landschaftsgartens erfolgte in Deutschland vor allem durch die Grundlagen der Philosophie Jean-Jacques Rousseaus, Beispiele sind der Garten von Wörlitz, der Englische Garten in München oder der Fürst Pückler-Park Bad Muskau. Roussesaus Ansätze zum Garten unterschieden sich sehr von jenen des Barocks, die konstruiert waren. Rousseau schuf in seinem Roman „Julie oder Die neue Heloise“ einen Garten, der der Natur verpflichtet sein sollte, obwohl auch jene Gärten geplant sind, wurde versucht, eine gewisse Natürlichkeit zu schaffen. Eines der Hauptkriterium des Landschaftsgartens war somit die Aufhebung der Grenze zwischen Garten und freier Landschaft zur Wahrung des Anscheins der ursprünglichen Natur. Das erstmalige Auftreten des Landschaftsgartens war zu Beginn des 18. Jahrhunderts in England.
  • Hermann Fürst von Pückler-Muskau, der die Andeutungen über Landschaftsgärtnerei verbunden mit ihrer praktischen Anwendung in Muskau, 1834, veröffentlichte. Dieses Buch kann hier nachgelesen werden.

Gestaltung der Landschaftsparks

Die Landschaftsparks sind für das späte 18. und für das 19. Jahrhundert besonders hervorzuheben. Es handelt sich hier um Orte, die ganz besondere künstlerische Aspekte bieten. Sie sind architektonisch geprägt, in die Landschaft eingearbeitet, weisen Beziehungen zu Hügel, Bergen, zu der Umgebung, in der sie eingebettet sind auf, und sie bekamen eine Fülle an Bauten implantiert (die Anregung stammte aus England), wie zB exotische Bauten (orientalisch, asiatisch etc) sowie Ruinen, die diese Parks anreicherten. Einige Adelige haben diese Landschaftsparks und Landschaftsgärten propagiert, wie zB in Deutschland Fürst Pückler-Mustgau. Ein anderer Aspekt der Natur in der Kunst ist das Wasser, das eine große Rolle in jener Kunst spielt. Sehr häufig wurden Wasserelemente in die Landschaften eingebaut, Teiche, Seen, Wasserfälle, und vieles mehr. Diese hatten die Funktion eine gewisse Stimmung zu vermitteln. Spiegelungen von Bergen, Bäumen oder des Himmels, dies hat aber auch eine besondere Bedeutung für die Bauten, die errichtetet wurden, eben für die Schlösser und Herrenhäuser. Alte Anlagen und Herrschaftsbauten, Ruinen, Burgruinen, die in dem Landschaftsareal zur Verfügung standen (oder extra dafür herbeigeschafft wurden), wurden in das Gesamtkonzept eingebaut. Spiegelungen im See bzw. im Wasser zeigen dann das Schloss bzw. den Neubau in einem besonderen Spannungsverhältnis zum alten Bauwerk.

Beispiele

Franzensburg

In diesem Zusammenhang ist die Franzensburg in Laxenburg in Niederösterreich zu erwähnen.

Abb.: Franzensburg © Schloss Laxenburg Betriebsgesellschaft mbH

Die Laxenburg war seit dem 14. Jh. im Besitz der Habsburger. Unter Joseph II. erfolgte nach Plänen von Ganneval  die Umgestaltung des Schlossparks zum englischen Landschaftsgarten. Franz II. (I.) ließ ab 1798 die Franzensburg als „gothische Burgveste“ errichten. Auf einem Felsen sollte ein Nachbau der Habsburg, dem Stammschloss entstehen, samt Porträts aller Kaiser. Übrig blieben 37 Büsten des Vogteihofes als Ahnenreihe. Die Realisierung des Vereinigungsbaus, Habsburgersaal, Lothringersaal und die Idee der Ruhmeshalle, entstand im wesentlichen zwischen 1825 und 1830. Verwendet wurde auch historisches Material (zB aus dem Kloster Waldhausen) und Spolien (Capella Speciosa aus Klosterneuburg).

Burg Liechtenstein Maria Enzersdorf

Fürst Johann von Liechtenstein entwickelte die größte Konzeption, er ließ in Maria Enzersdorf von Joseph Franz Engel ein neues Schloss zu Füßen bzw. mit unmittelbaren Blick auf die Ahnenburg  erbauen und ließ Blickachsen herstellen: Zum kleinen Anninger, wo Kornhäusel einen klassizierenden Tempel (Husarentempel, Vorgängerbau von Joseph Hardtmuth) aufbaute (bedeutet Antike und soll an die Soldaten, die in der Völkerschlacht von Leipzig starben, erinnern).  Dann wurde noch künstliche Ruine im Park errichte (steht für das römische). sollte das römische sein Weiters ließ der Fürst noch gotisierende Bauten errichten: den Schwarzen Turm in der Nähe von der Mödlinger Kirche und in Richtung Westen das Pfefferbüchsel. Eine einzige große Landschaftskonzeption, eine phantasievolle Leistung. Eine nähere Beschreibung der gesamten Konzeption ist der Webseite der Burg Liechtenstein zu entnehmen-> Link.

In Österreich, im Besonderen in Wien (aber nicht nur) gibt es eine Reihe an Gärten, Parks und Landschaften, die zum #Lustwandeln einladen. Seien es nun die Gärten bzw. Landschaftsparks des Belvedere, der Hermesvilla, Schönbrunn, Laxenburg, Schloss Hof, Schallaburg und viele viele mehr. Alle haben eines gemeinsam, sie warten darauf von uns entdeckt zu werden. Worauf also noch warten ?

Zum Schluss – Die Arkadische Landschaft

Arkadien ist eine Landschaft der Peleponnes und steht auch heute noch für Landschaften mit einem idyllischen Landleben. Nach Siegmund wird im aufklärerische Landschaftsgarten die arkadische Landschaft als Idealtypus bezeichnet. Siehe dazu Andrea Siegmund, Die romantische Ruine im Landschaftsgarten: ein Beitrag zum Verhältnis der Romantik zu Barock und Klassik, S. 70 und ab S. 79 – Link.

Die ‚arkadische Landschaft‘ an der äußersten Grenze der visuellen Reichweite verkörpert als eine Art übergeordnete Realitätsebene die erträumte Wunschwelt, die zwar als unwiederbringlich verlorenes Idealbild eines harmonischen Mensch-Natur-Verhältnisses, wie man es z.B. in der Antike sieht, bewusst ist, aber durch die räumliche Entrückung und die darin zum Ausdruck kommende, in der Annäherung ständig sich erneuernde Sehnsucht die Wirklichkeit ‚poetisieren‘ kann.
Andrea Siegmund, S. 115.

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