Nachhaltigkeit in der Kunst – #IMT15

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Am 17.5.2015 findet in Österreich und in Deutschland der Internationale Museumstag statt. Zentrales Thema ist „Museums for a sustainable society“ oder „MUSEUM.GESELLSCHAFT.ZUKUNFT“ oder auf ein Wort gebracht, es dreht sich diesmal alles um die Nachhaltigkeit. Was bedeutet nun eigentlich Nachhaltigkeit in der Kunst ? Und was bedeutet Nachhaltigkeit im Museum ? Eine gute Gelegenheit diesen Fragen kurz nachzugehen, Eckpunkte aufzuzeigen und zum Nachdenken anzuregen.

Nachhaltigkeit ?

Ein Zitat von Armin Klein aus seinem Buch „Der exzellente Kulturbetrieb, Springer Verlag 2007, S. 11“ soll unseren Beitrag einleiten:

„Der Begriff der Nachhaltigkeit, in vielen gesellschaftlichen Bereichen glücklicherweise schon eine Selbstverständlichkeit, muss für den Kulturbetrieb ganz offensichtlich erst noch entdeckt werden – und zwar in allen seinen Konsequenzen!“

Patrick Föhl zählt folgende drei Nachhaltigkeiten auf:1)Föhl,  Nachhaltige Entwicklung in Kulturmanagement und Kulturpolitik: Neostart oder Placebo?, in Föhl/Glogner-Pilz ua., Nachhaltige Entwicklung in Kulturmanagement und Kulturbetrieben, S. 22 bis S. 24

  1. Ökologische Nachhaltigkeit (Stichwort – Schonender Umgang mit Ressourcen)
  2. Ökonomische Nachhaltigkeit (Stichwort – Ressourcen schonen für die Zukunft)
  3. Soziale Nachhaltigkeit (Stichworte – Solidarität, Gemeinwohl, Rechtssysteme)

Eine weitere gute Übersicht, welche Aspekte die Nachhaltigkeit in der Kunst bzw. im Kunstbetrieb selbst alles umfassen kann, bietet die Kunst Uni Graz.

  1. Künstlerische Nachhaltigkeit
  2. Soziale Nachhaltigkeit
  3. Ökologische Nachhaltigkeit

Für die Kunst Uni Graz umfassen diese drei Nachhaltigkeitspunkte, Nachwuchsförderung (künstlerische Nachhaltigkeit); Gendermainstreaming, Förderung von Behinderten und Gesundheit (soziale Nachhaltigkeit) sowie Energieeffizienz, bauliche Planungs- und Sanierungsmaßnahmen, Optimierung der Ressourcen und Abfallwirtschaft (ökologische Nachhaltigkeit). Dies ist sogleich auch ein anschauliches praktisches Beispiel für Umsetzung in einem Kulturbetrieb.

Nachhaltigkeit umfasst also einen bewussten und schonenden Umgang mit Ressourcen, aber auch mit Arbeitskräften (man denke hier nur an die Vielzahl der unbezahlten Praktika), dieser Aspekt ist mehr denn je von großer Wichtigkeit. Siehe zuletzt den „offenen Brief an ein Museum“ von Anna auf dieKulturvermittlung. Nachhaltigkeit bedeutet aber auch, dass Kulturbetriebe, Kulturmanagement und Kunstvermittlung dazu angehalten sind, nachkommende Generationen für Kulturbetriebe zu begeistern.2)Siehe hier zu Mandel, Kulturvermittlung als Strategie eines nachhaltigen Kulturmanagements, in Föhl/Glogner-Pilz ua, S. 237: „Ein nachhaltiges Kulturmanagement muss sich also auch damit auseinandersetzen, wie es andere Gruppen anspricht bzw. wie es zur Erhöhung Kultureller Bildung beitragen kann.“

Besonders lesenswert ist der Artikel von Hildegard Kurt – „Nachhaltigkeit – eine Herausforderung an die Kunst ?„. Kurt3)Kurt, Nachhaltigkeit – eine Herausforderung an die Kunst?, Kulturpolitische Mitteilungen • Nr. 97 • II/2002, S. 46f. zeigt auf, dass

„man Nachhaltigkeit – den Umbau des ressourcenintensiven, quantitativen Wohlstandsmodells hin zu einer qualitativen, sozial und naturverträglichen Version von Fortschritt – wenn überhaupt dann vorwiegend als ein ‚Umwelthema‘ wahrnimmt und nicht als eine genuin kulturelle Herausforderung.“

So hier stehen wir nun – haben einiges über Nachhaltigkeit erfahren und letztlich muss man sich doch immer wieder fragen, ob die Umsetzung der Nachhaltigkeit (in Kunst, Kulturbetrieben, aber auch generell) oftmals nicht nur „leere Worthülsen“ sind, wie dies Föhl in seinem Beitrag4)oben zitiert, S. 41 so treffend kritisiert.

Nachhaltigkeit in (österreichischen) Museen und Kulturbetrieben

Unter Nachhaltigkeit wird auch von den Museen das Ausstellungsthema verstanden. An Veranstaltungen bieten die Museen am 17. Mai unter anderem folgende: Das Untere Belvedere widmet sich zB dem Thema „Mehr als H2O“ dem Wasser als begrenzte Ressource. Das 21er Haus veranstaltet einen Do it together – Workshop, bei dem Plastiksäcke gesammelt und ein schwebendes Museum gestaltet werden soll. Im Atelier des Jüdischen Museums in Wien kann aus altem Papier, wie zB aus den Foldern vergangener Ausstellungen, neue, eigene Kunstwerke geschaffen werden – die Devise lautet „Jewish Origami“.

Nachhaltigkeit kann und sollte sich aber auch auf den Museums(um-)bau – und Sanierung, Organisation des Museums und Ausstellungen, Facility Management, Depots, Kunsttransporte,  aber auch mit einer sozialen Nachhaltigkeit beziehen (Stichwort Praktika). Wie das in der Praxis aussieht, kann anhand des Leopoldmuseums hier nachgelesen werden: -> Link. Aber auch das ZOOM Kindermuseum wurde für seinen Workshop „Nochamal Nochamal“ für den Wiener Umweltpreis 2015 nominiert.

Nachhaltigkeit in der (österreichischen) Kunst

Wie kann sich Nachhaltigkeit in der Kunst äußern ? Durch eine ressourcenschonende Verwendung von Materialien, wie zB der Künstler Konrad Friedel, der seine Skulpturen aus alten Industriebauten erstellt oder durch Verwendung durch Staub ? Siehe dazu unseren Beitrag zum #Kunstputz. Dies betrifft allerdings den ökologischen Aspekt, wie wir oben schon näher ausgeführt haben, umfasst die Nachhaltigkeit noch weitere Seiten. Ein weiterer Künstler, der im Zusammenhang mit Nachhaltigkeit unbedingt zu erwähnen ist, ist Oliver Ressler und zB seine Installation „Nachhaltige Propaganda“ aus dem Jahr 2000.

International arbeiten Künstler wie Clement Price-Thomas (Laubhaufen) oder Néle Azevedo (Eisskulpturen) im Spannungsfeld von Natur und Kunst.5)Nachhaltigkeitsratund verändert damit unsere Wahrnehmung von Naturphänomenen. Oder nehmen Sie die 1.000 schmelzenden Eisskulpturen der brasilianischen Künstlerin Néle Azevedo. Ihr Werk vermittelt einen unmittelbaren, auch poetischen Eindruck von den Folgen des Klimawandels.

Im Juni 2015 erscheint das von Ans Wabl herausgegebene Buch „Die Verschränkung von Kunst und Nachhaltigkeit„. Zentrale Fragestellung dieses Buches lautet:

 „Inwieweit können Kunst und Kunstwissenschaft gemeinsam einen globalen Auftrag zur nachhaltigen und sensiblen Nutzung unserer Ressourcen erfüllen?“

Aufgezeigt werden darin künstlerische Prozesse, die mit diversen Bereichen des sozialen Lebens interagieren, sowie künstlerische Arbeiten, die auf der Grundlage der „Corporate Social Responsibility“ entstanden, wie zB Werke von Emmerich Weissenberger, Nora Ruzsics im Vergleich mit der Recyclingkunst von Niki Lederer. Auf diese sehr interessante Publikation darf jetzt schon hingewiesen werden.

Fazit

Nachhaltigkeit ist ein Thema das bewegt, jeden Tag mehr und mehr. Dennoch waren wir ein bisschen überrascht, da man mit Nachhaltigkeit zu meist andere Spalten des täglichen Lebens in Verbindung bringt als mit Kunst, Kul­turbe­trieb und Co.

Wir diskutierten, recherchierten und dachten einiges über diesen Kontext nach, ein universelles Kochrezept für die Applikation der Nachhaltigkeit in der Kunst bzw im Kulturbetrieb wird es so schnell wohl nicht geben. Es ist aber sehr spannend mitzuverfolgen wie die einzelnen Institutionen nicht nur im Rahmen des Museumstags mit diesem Thema umgehen und dieses nicht nur ins hauseigene Ausstellungskonzept integrieren.

Wie legt man Nachhaltigkeit in Kultur und Kunst überhaupt aus? Die Auslegung des Begriffes, wie wir schnell gemerkt haben, ist weitreichend und komplizierter, was die Umsetzung umso schwieriger gestaltet. Wie positioniert man sich als „nachhaltige“ Institution, nach welchen Kriterien wählt man dann Künstler aus? Wie viel Nachhaltigkeit ist überhaupt möglich und erwünscht? Mit welchen Materialien arbeitet man als Künstler ? Wie definiert man Recyclingkunst ? Und, und, und .. Fragen über Fragen.

Wir hoffen, dass wir die Nachhaltigkeit im Zusammenhang mit Kunst und Kultur etwas näher vorstellen konnten, freuen uns, wenn wir etwas zum Nachdenken anregen konnten und sind auf die Reaktionen sowie das Feedback gespannt, welche dieser Tag mit sich bringen und sicher noch für viel Gesprächsstoff und Überraschungen sorgen wird.

Literaturempfehlungen:

Föhl/Glogner-Pilz/Lutz/Pröbstle, Nachhaltige Entwicklung in Kulturmanagement und Kulturpolitik: Ausgewählte Grundlagen und Strategische Perspektiven (German Edition), Heidelberg 2011.

Parodi/Banse/Schaffer, Wechselspiele: Kultur und Nachhaltigkeit: Annäherungen an ein Spannungsfeld, 2010.

Abb.: ICOM Österreich

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Fußnoten   [ + ]

1.Föhl,  Nachhaltige Entwicklung in Kulturmanagement und Kulturpolitik: Neostart oder Placebo?, in Föhl/Glogner-Pilz ua., Nachhaltige Entwicklung in Kulturmanagement und Kulturbetrieben, S. 22 bis S. 24
2.Siehe hier zu Mandel, Kulturvermittlung als Strategie eines nachhaltigen Kulturmanagements, in Föhl/Glogner-Pilz ua, S. 237: „Ein nachhaltiges Kulturmanagement muss sich also auch damit auseinandersetzen, wie es andere Gruppen anspricht bzw. wie es zur Erhöhung Kultureller Bildung beitragen kann.“
3.Kurt, Nachhaltigkeit – eine Herausforderung an die Kunst?, Kulturpolitische Mitteilungen • Nr. 97 • II/2002, S. 46f.
4.oben zitiert, S. 41
5.Nachhaltigkeitsrat