Rezension — 100 Bauwerke, die Sie kennen sollten

Kunst, Kultur und Architektur bestimmt nicht nur unsere Sinne, sie definieren unsere Geschichte. Architektur – ein Zeitzeuge, ein Monument, ein Objekt der Begierde, der Inspiration, der Kritik, der Demonstration von technischen, sowie architektonischen Möglichkeiten, geliebt und gehasst zugleich.

Über Architektur zu schreiben ist eine trickreiche Sache. Wie findet man als Autor die richtige Balance um nicht nur ein breites Spektrum an Leser zu erreichen, sondern Architektur so spannend wie möglich an den Mann bzw. an die Frau zu bringen? Was stellt man in den Fokus, wo lässt man wiederum nach um nicht zu technisch, zu kunsthistorisch, zu beschreibend, zu fachlich über Architektur zu schreiben? Für welchen Weg sich ein Autor am Ende auch entscheidet, solange er mit Passion über Architektur schreibt, solange ist der Grundstein für ein hervorragendes Werk gelegt.

Auf­bau und Inhalt des Buches

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Abb.: © Ver­lags­gruppe Ran­dom House GmbH

Im Falle des 2015 im Prestel Verlag erschienenen Buchs, „100 Bauwerke, die Sie kennen sollten“ war dem nicht anders. Das Autorenduo Florian Heine und Isabel Kuhl hat eine hervorragende Mischung aus Architektur, die die Menschheit, sowohl die nachfolgende Architektur aus vielen Gründen bewegt und inspiriert hat, zusammengetragen.

Wie schon der Titel des Buches verrät, führen die Autoren den Leser auf eine architekturgeschichtliche Weltreise. Beginnend bei den Pyramiden von Gizeh (S. 9), über den Tempel I in Tikal (S. 39), auf das Castel del Monte in Andria (S. 72), über Antonio Gaudís wunderbare Sagrada Familia in Barcelona (S.150), bis nach Ronchamp um Le Corbusiers Notre-Dame du Haut zu begegnen (S. 202) und um die Reise in New York beim One World Trade Center von David Childs zu beenden (S. 253).

Bereits im Vorwort betont Florian Heine die wichtige Position der Architektur:

„Architektur sei die ›Mutter aller Künste‹, heißt es häufig, denn sie vereint alle anderen Künste unter ihrem Dach. Das mag wohl sein, aber dennoch ist sie nicht mit den anderen Künsten zu vergleichen. Denn im Gegensatz zu diesen hat die Architektur auch sehr zweckmäßige, praktische Anforderungen, die in den anderen Künsten keine Rolle spielen.“[1]

Was macht also dieses Buch so besonders gegenüber anderen Architektur- bzw. Überblicksbüchern?

Besonders lobenswert ist die Mischung der ausgewählten Architektur. Die Autoren haben es geschafft neben berühmten Werken auch jene Bauwerke einzubringen, auf die man in den Architekturbüchern nicht häufig trifft. Es ist spannend und bereichernd zugleich, auch für einen architekturaffiner Kunsthistoriker.

Florian Heine und Isabel Kuhl haben darüberhinaus es geschafft, dies sehr spannend rüberzubringen, ohne das die Beschreibung der Architektur zu schleppend und zu lang ist. Pro Objekt wird eine Textseite vorgesehen, untermalt durch wunderbare Fotografien deren Beschreibung die Formensprache näherbringt.

100 BauwerkeEs ist eine gelungene Mischung aus einem historischen Kontext, einer prägnanten Architekturbeschreibung und spannenden Zusatzinformationen, die separat bei manchen Objekten im Infokasten angeführt sind – sei es eine Einführung zur Bauform des Zentralbaus (San Vitale, Ravena, S. 31), zur Sicherheit am Bau (Joseph B. Strauss, Golden Gate Bridge, San Francisco, S. 199) oder wissenswertes zu den jeweiligen Architekten, wie z.B. des dänischen Architekten Jørn Utzon (Operahaus, Sydney, S. 222).

Am Ende des Buches findet sich ein zweitseitiges Glossar der wichtigsten Begriffe hinsichtlich Architektur sowie zu den Baustilen.

Was mir besonders gefallen hat ist, dass bei vielen Bauwerken begleitende Zitate beigefügt sind, die die verschiedenen (An-)Sichtweisen berühmter Zeitgenossen oder durch Sprichwörter das jeweiligen Objekt untermalen und nochmals betonen wie unterschiedlich Architektur wahrgenommen werden kann.

So begegnet Mark Twain (S.21) dem Koloseum in Rom:

»JEDERMANN KENNT DAS BILD DES KOLOSSEUMS; JEDERMANN ERKENNT SOFORT DIESE ›MIT SCHIESSSCHARTEN UND FENSTERN VERSEHENE‹ HUTSCHACHTEL; DEREN EINE SEITE HERAUSGEBISSEN IST.«

oder Frank Lloyd Wright dem Opernhaus in Sydney (S. 223)

»DAS IST KEIN OPERNHAUS; SONDERN NUR EINE MUSCHEL.«

Fazit

Für wen ist das Buch also am besten geeignet? Für alle Architekturbegeisterte, Kunstliebhaber, Architekturliebhaber, Laien, für jeden der Gefallen findet an einem wunderbar gestalteten Buch, dass spannend und informativ zugleich ist, durch den seinen Inhalt überzeugt und durch wunderbare Bilder begleitet wird.

Es kann in einem Zug oder hier und da in Häppchen genossen werden, man findet immer etwas Spannendes und Neues. Mein Patenkind (4 Jahre) war von dem Buch ebenfalls angetan, von den Bildern sehr begeistert und wollte schnell spannende Architekturgeschichten dazu hören. 100 Bauwerke, die Sie kennen sollten können wir daher wärmstens weiterempfehlen und kann bereits auch mit Kindern ab 4 Jahren genossen werden.

Heine/Kuhl, 100 Bauwerke, die Sie kennen sollten, München/London/New York 2015.

Facts:

  • Titel: 100 Bauwerke, die Sie kennen sollten
  • Autorin: Florian Heine und Isabel Kuhl
  • 256 Seiten
  • Pres­tel Verlag
  • Preis: ca. € 29,95

Wir danken dem Ran­dom­House für die Übersendung eines Rezensionsexemplares.


[1] Heine/Kuhl, 100 Bauwerke, die Sie kennen sollten, München/London/New York 2015, S. 7.

Leseprobe:

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