Stofftiere ! Hasen !! Hunde !!! Und vieles mehr … Das konnten wir uns nicht entgehen lassen und daher statteten wir dem MUMOK im MQ Wien an einem strahlend schönen Oktobertag einen Besuch ab, um die seit dem 4.10.2014 laufende Cosima von Bonin-Ausstellung „Hippies use side door“ fachmännisch zu begutachten. Da Tanja Praske, deren Blog wir auch gerne lesen, zu der Blogparade „Mein Kultur-Tipp für Euch“ aufgerufen hat, möchten wir uns mit diesem Beitrag gerne anschließen.

Erreichbar ist das MUMOK mit dem Kinderwagen per Lift (das wir zuletzt Pech hatten – ist ja schon bekannt ;) …). In den Lift passten wir (2 Erwachsene) und ein Zwillingskinderwagen gut hinein. Wir fuhren also mit dem Lift hinauf Richtung MUMOK-Eingang. Die Lifttüre öffnete sich und wir konnten kaum mit dem Wagen hinausfahren, da die Tische des Halle Cafe Restaurants zwar nicht den Ausgangsbereich des Liftes, aber die Weiterfahrt blockierten. Nachdem wir auch dieses Hindernis überwunden hatten, ging es schon hinein ins MUMOK, das über eine große (Seiten)Türe (wie passend zum Titel der Ausstellung) erreicht werden und die man vor allem auch alleine öffnen kann.

Da wir noch Freikarten vom MUMOK hatten, mussten wir diesmal keinen Eintritt bezahlen, ansonsten kostet der Eintritt € 10,- (für einen Erwachsenen), Kinder unter 19 Jahren bezahlen keinen Eintritt, eine Familienkarte kommt auf € 14,- (2 Erwachsene und 3 Kinder, was wirklich günstig ist). Beim Eintritt bekamen wir auch das Begleitheft für Erwachsene, erst daheim haben wir gesehen, dass es auch eines für Kinder gibt, dass wir aber hier auch vorstellen möchten.

Die Ausstellung Cosima von Bonin erstreckt sich über mehrere Stockwerke und war natürlich für unsere Zwillinge das absolute Highlight der bisherigen Museumsbesuche. Die Ausstellung startet gleich auf Ebene 0 und wir wurden gebührend von drei großen Stofftieren, die jeweils auf einer großen weißen Schachtel sitzen, empfangen. Das Begleitheft der Kinder regt die kleinen Besucher an darüber nachzudenken, ob sich etwas in den Schachteln befindet oder nicht.

In Bonins Werk tauchen immer wieder Tierfiguren auf, die nicht nur auf Kitsch und Konsumwelt anspielen, sondern auch für menschliche Gefühlslagen, für verdrängte Vergangenheit und Abgründiges stehen. Durch die Positionierung der Stofftiere auf schachtelartigen Podesten wird der Warencharakter betont (Wolfert, Begleitheft für Erwachsene, S. 3).

Viele Stofftiere sitzen entspannt, faul herum oder sind diese etwa erschöpft ? Ein angeschlagener Hase, ins Leere starrende Krabben. Das Begleitheft für Erwachsene führt dies bezüglich aus, dass Bonins Tiermenagerie eine Art offener Gegenentwurf zum gesellschaftlichen Imperativ der Produktivität mit viel Humor sei. Erschöpfung und Faulheit seien Zustände, die ausgekostet und bejaht würden und nicht bekämpft oder überwunden werden müssten. Eine Verweigerung gegenüber einer Gesellschaft, die sich über Arbeit definiere. Bemerkenswert sind die Ausführungen, dass das Tierreich Bonins auch davon handle, dass auch Künstlerinnen und Künstler Teil der Leistungsgesellschaft seien, da der Kunstmarkt und auch die Museen immer wieder Neues fordern und eine marktkonforme Entwicklung des OEuvre unter kritischer Beobachtung der KunstsammlerInnen und KunstinvestorInnen stünde (Wolfert, Begleitheft für Erwachsene, S. 11).

Das Begleitheft für Kinder spricht auch die faul herumsitzenden Tiere an – Ein Kuscheln mit diesen oder ein Angreifen ist leider nicht möglich, aber es stellt sich die Frage, ob diese das überhaupt wollen, da sie so wirken, als würden sie lieber ihre Ruhe haben.

Gezeigt wird, wobei zurecht von einer Retrospektive gesprochen werden kann, ein Überblick über die künstlerischen Anfänge Bonins bis hin zu eigens für Wien konzipierte Arbeiten (Kraus, S. 13). Die scheinbaren niedlichen Stofftiere täuschen. Kraus weist darauf hin, dass vieles in Bonins Arbeiten auf Unfähigkeit, Nichtkönnen oder Zwecklosigkeit hinweise, aber auch Fragen zur Identität und Authentizität, Kontext und Bezug werden gestellt (Kraus, S. 13). Bonin nimmt auch Bezug auf vergangene Ausstellungen wie THE FATIGUE EMPIRE, „Das erschöpfte Imperium“ 2010 in der Kunsthalle Bregenz oder die 2011 in der Galerie Buchholz in Berlin gezeigte Ausstellung GRANDVILLE AND THE DECISION AT GRANDVILLE. Zu sehen sind neben einem bunten Reigen an Stofftieren, Stoffbilder, die so positioniert und präsentiert sind, dass diese den Raum teilen. Viele Bilder können rund um betrachtet werden. Installationen, Musik, Kunstwerke anderer Künstler runden das Konzept perfekt ab. Eine sehenswerte Ausstellung, die Dank ihrer Objekte auch für Kleinkinder interessant ist, wodurch man sich auch etwas mehr Zeit lassen kann. Abschließend waren wir noch im Museumsshop wo 2 Knackenten, eine Cosima-von-Bonin-Jutetasche, der Katalog zur Ausstellung und das Buch „Lilli kritzelt“ von Claudia Ehgartner und Élise Mougin mit nach Hause durften. Das Buch ist so liebevoll und interessant gestaltet worden, dass wir es an anderer Stelle extra vorstellen möchten.

Besonders erwähnenswert ist auch das liebevoll gestaltete Begleitheft für Kinder, das mit folgenden, passenden und dennoch nachdenklich machenden Text endet:

Bist Du vielleicht ein Kunsthistoriker oder eine Kunsthistorikerin ?

Denen macht Cosima von Bonin nämlich gelegentlich die Arbeit schwer. Sie beschäftigt sich mit der Kunstgeschichte, was an manchen Werken zu erkennen ist.

Aber sie ist misstrauisch gegenüber kunsthistorischen Recherchen und Methoden.

Nur keine Sorge – Du kannst nix falsch denken oder machen, denn Cosima von Bonin findet, dass es manchmal genau richtig ist, etwas falsch zu machen.

 © Begleitheft für Kinder – Text und Idee Claudia Ehgartner / MUMOK

Fazit zum Besuch mit Babys im Museum: Dank dreier Lifte sind die einzelnen Stockwerke gut zu erreichen, weiters waren wir (wie immer) zu einer nicht stark frequentierten Zeit im Museum. Die Stofftiere waren natürlich das Highlight für die Zwillinge, aus dem Kinderwagen haben wir sie aus „Sicherheitsgründen“ (Schutz für die Ausstellungsobjekte) nicht gelassen. Ein rund um perfekter Besuch, auch auf das Cupcakes-Restaurant sei an dieser Stelle noch verwiesen, in dem man einen gelungenen Tag ausklingen lassen kann.

Katalog zur Ausstellung

Der 2014 anlässlich der Ausstellung Cosima von Bonin „Hippies use side door“ von Karola Kraus herausgebene Katalog umfasst 144 Seiten und kostet € 19,80. Es handelt sich hier um ein Vorabexemplar, die Auflage umfasst 400 Stück. Ende Oktober erscheint im Verlag der Buchhandlung Walther König noch ein Katalog, der noch zusätzliche Abbildungen und Ausstellungsfotografien enthält und um die € 30,- kosten wird.

Neben dem Vorwort von Karola Kraus enthält das Vorabexemplar folgende Texte:

Diedrich Diederichsen, Cosima von Bonin: The He(e)aling Festival

Clara Drechsler, Warum ich mich freue, dass Cosima aufhört / Kunst kommt von Aufhören

Manfred Hermes, Es gibt kein Zurück

Gefolgt von einer Übersicht der gezeigten Werke in der Ausstellung sowie von einem Ausstellungsverzeichnis.

Facts zur Ausstellung

Künstlerin: Cosima von Bonin (geboren 1962 in Mombasa, Kenia)

Ausstellung: Hippies use side door. Das Jahr 2014 hat ein Rad ab.

Dauer: 4.10.2014 bis 18.1.2015

Ort: MUMOK, MQ Wien

Öffnungszeiten: Montag: 14:00–19:00, Dienstag bis Sonntag: 10:00–19:00, Donnerstag: 10:00–21:00

Eintrittspreise: Normal: € 10,–, Ermäßigt: € 8,– oder € 7,-, Kinder unter 19 Jahre: Eintritt frei

Blogparade #KultTipp: Übersicht aller Beiträge auf Pearl Tree – Link

9 Gedanken zu „Baby im Museum – Teil 5 – MUMOK & Cosima von Bonin

  1. Liebes Blog-Team,

    ein herrlicher #KultTipp mit Baby ins Museum – famos! Kann mir sehr gut vorstellen, dass gerade diese Ausstellung bei Kindern sehr gut ankommt. Mit Mini hätte ich schon einige Diskussionen zu führen, warum sie die Stofftiere nicht knuddeln darf.

    Diese Besuche finde ich grandios und noch besser, dass darüber berichtet wird. Mit Marlene aka @MH_TextWeb, @JenniFuchs, @MariaBettinaEic und @cgabbart sind wir schon ein paar, die mit ihren Kindern ins Museum gehen und davon berichten. Gerade der Passus im Kinderheft über Kunsthistoriker gefällt mir sehr gut. Mir fällt es schwer, mich von meinem kunsthistorischen Blickwinkel zu lösen, meine Kinder helfen mir dabei und dafür bin ich ihnen dankbar, denn Kunst darf unvoreingenommen genossen werden. Besuchten viele Familien die Ausstellung? Wird diese für die Zielgruppe Familien beworben oder wie seid Ihr auf die Ausstellung gekommen?

    Noch eine Bitte zuguterletzt: Verlinkt den Artikel noch mit meinem Aufruf-Post, ich nehme ihn schon einmal unter Vorbehalt außerhalb des Reglements auf, bis die Verlinkung da ist.

    Es freut mich natürlich sehr, zu erfahren, dass Ihr mein Blog gerne lest. Das Feedback erhalte ich so nicht direkt, auch wieder ein Argument mehr für die Blogparade!

    Danke Euch!

    Herzlich,
    Tanja

  2. Liebe Tanja ! Wir waren an einem späten Nachmittags-Samstag in der Ausstellung. Kinder waren außer uns keine. Das Alter der Besucher, die dort waren, lag bei ca. 20-30 Jahre, ein paar ältere Besucher sahen wir auch.

    Die Künstlerin kenne ich durch Lisa Burgdorf, die den gleichen Betreuer wie ich bei der Diplomarbeit hatte und mit mir sein Privatissimum besucht hat. Dadurch kannte ich ihr Werk und als ich sah, dass es eine Ausstellung in Wien gibt, musste ich sofort mit den Kindern hin.

    Liebe Grüße
    Alex

  3. Lieben Dank für den interessanten Erfahrungsbericht. Was für eine gute Idee bei so einer Ausstellung, die Kinder fast automatisch toll finden werden, ein eigenes Begleitheft für Kinder zu machen!
    Viele Grüße,
    Marlene

  4. Ich hab mir mal Dan Flavin im Mumok angeguckt – war sehr cool!

    Übrigens finde ich die Schrift auf dem Blog nicht so toll – sie ist etwas flach und langgezogen – für mich nicht so gut lesbar :-(

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