Kindheitserinnerungen & Wiener Kultur

Auf diesen Fotos sieht man jene 2 Orte wo ich die Ferien in meiner Kindheit verbrachte, wobei jeder einzelne für absolut unbeschreibliche Erinnerungen steht. Fangen wir mit Venedig an …

#Blogparade-Kindheitserinnerungen

Venedig war der erste Urlaub in den meine Mutter, mein damals 3 Jahre alter Bruder und ich (knapp 10) fuhren. Allein, nur wir drei, mit dem Romulus ging es Richtung Italien, in einer Zeit wo es noch Grenzen gab und jede Ein- bzw. Ausreise ein Erlebnis für sich war. Ich kann mich noch gut an die zwei japanischen Studenten erinnern, die sich das Reiseabteil mit uns teilten und nur damit beschäftigt waren, meinem Bruder und mir Origami-Tiere zu basteln (Schwäne, Frösche, Schmetterlinge, Füchse). Wir waren unendlich davon fasziniert, konnten kaum mit ihnen kommunizieren, aber mit Händen und Füßen war es eine unterhaltsame Reise. Mitten in der Nacht wurde die Abteiltür aufgerissen, Zöllner, Grenzbeamte, Polizisten, kontrollierten die Abteile, nach dem Schreck, den man als Kind dabei empfindet, ging es danach bald weiter. In irgendeiner italienischen Stadt mussten wir umsteigen, meine Mutter mit Kind und Kegel und einem Haufen Koffer, von einem Gleis zu einem anderen rennen, um in den Anschlusszug zu springen. Das alles sind Erlebnisse, die man wohl nie vergessen werden. Ich kann mich zwar nicht mehr an Details erinnern, allerdings, die warmen, orangen Töne, die kalte Luft des Morgens und der Geruch von Kaffee – diese Mischung hat sich in meinem Gedächtnis eingebrannt. An den Tagesausflug nach Venedig erinnere ich mich noch sehr gut, wir sind mit einem uralten Boot hingefahren, auf dem es fürchterlich nach Diesel stank, am Markusplatz selbst, gab es für uns Kinder nichts großartigeres als die Tauben (ja, iih, Tauben ;) … ) zu füttern, mein kleiner Bruder war nur auf der Jagd nach ihnen, sprang ständig aus seinem Buggy raus, der, von uns als Lastesel zweckverwendet wurde, kippte ständig nach hinten um. Ein Theater, herrlich. Die Architektur der Stadt hat uns sofort gefangengenommen und nie mehr losgelassen.

Die anderen beiden Fotos entstanden in Wien – zum einen im Tiergarten Schönbrunn – zum anderen im Prater – eh klar – Pflichttermine für ein Kind, das die Ferien bei den Großeltern in Wien verbringen darf. Ach, was habe ich diese Aufenthalte bei meiner Großmutter geliebt. Eine Woche Wien – wie ein Tourist – natürlich kindgerecht. Wir haben uns so viele Sehenswürdigkeiten angesehen und diese wunderbare Frau hatte nicht nur mit mir Sturschädel Geduld, nein sie war es auch, die mir die Schönheiten der Wiener Kultur von klein auf zeigte und näher brachte. Vom Prater, von Schönbrunn (Schloss, Tiergarten), von Grinzing, vom Kahlenberger Dorf, vom Riesenrad, vom Viktor Adler-Markt, über das Laaerbergbad, vom Heurigen, zum Stephansdom hin zur Kapuzinergruft (die wir im Rahmen des #Gruftwandels näher vorstellen möchten), Bootfahren auf der Alten Donau, der obligatorische Besuch im Uhrenmuseum, danach bei der Aida am Stephansplatz Erdbeerschnitten essen, hin zum Tichy am Reumannplatz auf ein Eis (Eis-Marillenknödel mochte ich damals überhaupt nicht). Das alles und vor allem die Zeit, die ich mit meiner Großmutter verbringen konnte, zählte für mich als Kind zu den absoluten Highlights meiner Kindheitserinnerungen und repräsentieren für mich absolut „Die Ferien meiner Kindheit“ und wenn mich jemand fragt, was für mich Wiener Kultur bedeutet, dann alle diese Erinnerungen, die Besuche im Prater, im Kunsthistorischen Museum, der Abstecher zur Aida, das Bootfahren auf der Alten Donau, der Tiergarten in Schönbrunn, die Schatzkammer, „die Stadt“, die An- und Abreise mit dem Schlossbus (ich frage mich, ob den noch jemand kennt – ein alter Bus, der nach Schloss Hof fuhr und mit dem ich nach den Abenteuern in Wien, wieder nach Hause ins Marchfeld zurückkehrte). Das frühe Aufstehen um zum Bäcker und Fleischhauer zu laufen, mit meinem Großvater – eine Gries-Mais-Brei-Mischung für das Fischen gehen an der Donau vorzubereiten, all das bildet ein einziges Kongolmerat an Erinnerungen und macht für mich die Wiener Kultur aus Sicht eines Kindes aus (das ich ja im Herzen ja immer noch bin). Ich wünsche allen Kindern, dass auch ihr so großartige Ferienerinnerungen sammeln könnt wie ich, wie man sieht, bewirken oft nur scheinbare kleine Abenteuer vieles in den Köpfen der Kinder – in diesem Sinne – euch allen einen wunderbaren Sommer voller Erlebnisse, die zu wunderbaren Kindheitserinnerungen werden können.

Dieser Beitrag erschien im Rahmen der Blogparade „Die Ferien meiner Kindheit“ – #Kindheitsferien von Lars Friedrich und weil es auch noch schön passt, als dritter Beitrag für die Blogparade #KultDef von Tanja Praske.

3 Gedanken zu „Kindheitserinnerungen & Wiener Kultur“

  1. Liebe Alex,

    während ich schreibe, höre ich mir Erich Kunz‘ Lied an – beschwingt, wunderbar und ja, die Kindheitserinnerungen zeigen, dass die Eltern und Großeltern prägend sind. Wir früh mit Kultur konfrontiert wird, den begleitet sie auch als Erwachsener. Nicht umsonst wirst du Kunstgeschichte studiert haben – so war es auch bei mir.

    Pardon für die verspätete Rückmeldung, ist normalerweise nicht meine Art, weißt du ja, aber #KultDef ist tornadomäßig zu Ende gegangen – heute sind es 69 Posts und es kommt noch ein Nachschlag – wunderbar!

    Herzlich,
    Tanja

  2. Hallo Alex,

    beim lesen deines Artikels kamen auch in mir sehr viele Urlaubserinnerungen hoch. Die erste Fernreise, mit drei Jahren, im Zug über den Brenner nach ,,,,,
    ,,,Verona (und später weiter nach Venedig).

    Was für ein Abenteuer! V.a. weil es bei einem Mitreisenden Tchechen Visum-Probleme gab und wir die Nacht in der Bahnhofshalle hoch oben am Brenner verbrachten. Zum schlafen hat mir meine Mutter den Koffer hingelegt und damit das kleine Mädchen nicht friert wurde ich von einem uns komplett fremden Araber mit dessen Mantel zugedekt. Mein Gott, dass sind jetzt fast 40 Jahre! Und doch sind viele Erinnerungen an diese Reise noch so lebendig, als wäre es gestern geesen.

    Reisen, andere Länder und Kulturen kennenlernen wurde von da ab für mich ein geliebter Begleiter auf meinem Lebensweg. Und heute freute ich mich, wenn unsere beiden kleinen sich nichts mehr wünschen, als wieder nach Israel in Urlaub zu gehen, obwohl ihre erste Fernreise im letzten Tag von vielen alten Steinen und großer Hitze geprägt war.

    Was ihnen wohl in 40 Jahre noch von ihrer ersten großen Reise in Erinnerung geblieben sein wird?

    Liebe Grüße Carmen

  3. Liebe Carmen !

    Danke für deinen Kommentar. Genau darauf bin ich schon sehr gespannt, welche Erinnerungen die eigenen Kinder an Reisen zurückbehalten. Bei den hier beschriebenen Reisen bzw. Erlebnisse war ich doch schon mind. 9 Jahre alt, da sind
    die Erinnerungen doch präsenter. Wenn ich versuche mich an Reisen zu erinnern, die noch länger zurückliegen, dann sind es oft nur Gerüche oder Gefühle, an die ich mich vage zu erinnern glaube. Essensgerüche (Käse im Auto, Äpfel von der Oma, bevor die Bahn überhaupt den Westbahnhof verließ, Brot, ein unglaublicher Pudding, den wir in Leogang bekamen, etc. etc.), die Reisen selbst (mit dem Auto oder der Bahn), manchmal noch die Stopps bei den Raststationen, vor allem aber die Freude, das man mit den Eltern / Vater / Mutter intensiv und länger Zeit verbrachte. Ich fand die Sommer damals (oh, das klingt jetzt schön nostalgisch) schon viel entspannter als heute (wo jeder was erleben möchte). Damals war oft schon die Reise ins Nachbarland schlichtweg ein Abenteuer.

    Liebe Grüße
    Alex

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